Autofahrer finden ihn gut, weil er ihnen Wartezeit an Ampeln erspart. Andere rühmen ihn als ein DDR-Relikt, das es zu erhalten gilt. In Berlin ist der Grünpfeil, der das Rechtsabbiegen bei Rot erlaubt, jedoch weiter auf dem Rückzug. Neue Daten des Senats zeigen, dass die Zahl in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als zwei Drittel zurückgegangen ist. Derzeit gibt es noch 60 Grünpfeilschilder in Berlin, sagte Matthias Tang, Sprecher der Verkehrsverwaltung. 1998 betrug die Zahl 195. 

Peter Struben vom Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS) verlangte, die verbliebenen Grünpfeile ebenfalls abzuschrauben. „Grünpfeilampeln sind chronische und brandgefährliche Unfallstellen“, warnte er. Das zeige auch eine neue Berliner Unfallstatistik.

Die Zahl der Grünen Pfeile sinkt

In der DDR hingen sie an vielen Kreuzungen. Vor 40 Jahren eingeführt, breiteten sich die Grünpfeile dort zügig aus. Nach der Wende war zunächst ungewiss, ob die Ampelzusatzschilder überhaupt bleiben dürfen. Aber bald kamen auch Verkehrsplaner aus dem Westen auf den Geschmack. Trotz Kritik von Blinden- und Fußgängerverbänden wurde der Grünpfeil 1994 in die bundesweit geltende Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Inzwischen ist die Hälfte der Schilder an Ampeln in den alten Bundesländern zu finden.

Im Berliner Senat hatte der Grünpfeil ebenfalls Freunde. Als Peter Strieder Stadtentwicklungssenator war, ordnete er an zu prüfen, wo weitere Schilder montiert werden könnten. So wollte der SPD-Politiker den Verkehr beschleunigen. Doch unterm Strich sank die Zahl. „2007 gab es in Berlin 110 Grünpfeile, 2014 noch 69“, berichtete Matthias Tang.

Zum einen wurden viele Ampelanlagen modernisiert, und Blechschilder wurden durch grüne Ampelpfeile ersetzt, erklärten Experten. Anderswo verschwanden die grünschwarzen Zusatzzeichen, weil sich dort zu viele Unfälle ereigneten, die mit dieser Regelung zu tun hatten.

Mehrere kritische Kreuzungen

Eine aktuelle Auswertung der Polizei zeigt, dass die Gefahren fortbestehen. Danach gab es in den Jahren 2015 bis 2017 insgesamt 31 Unfälle an Zufahrten zu Knotenpunkten mit Grünpfeil. Bei 13 Kollisionen wurden Menschen verletzt, davon in einem Fall schwer. Weil es an zwei Kreuzungen zu oft gekracht hatte, ordnete der Senat an, dort Grünpfeile abzuschrauben. Am Knotenpunkt Alt-Pichelsdorf/Heerstraße/Pichelsdorfer Straße/Südpark hatte es vier Zusammenstöße gegeben. An der Kreuzung Klosterstraße/Seeburger Straße/Wilhelmstraße/Ziegelhof, ebenfalls in Spandau, waren es drei.

Kaum ein Fahrer hält kurz an

Die Zahl der Grünpfeile werde wohl weiter sinken, sagte Tang. Doch der Fußgängerlobby geht das nicht schnell genug. Die restlichen Grünpfeile müssten rasch auf den Schrott, weil sie querende Fußgänger und Radfahrer gefährden, sagte Struben. Kaum ein Autofahrer halte sich an die Regel, dass Kraftfahrer vor dem Rechtsabbiegen kurz halten müssen.

Das zeigt exemplarisch eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer. Deren Wissenschaftler hatten sich an Kreuzungen postiert – und stellten in Dresden fest, dass 70 Prozent der Fahrer die Anhaltepflicht missachteten. In Köln betrug der Anteil sogar 81 Prozent. Doch auch die Behörden, die Grünpfeile angeordnet haben, hätten sich Pflichtverletzungen zu Schulden kommen lassen, betonte die Fußgängerlobby.

Denn die grünschwartzen Zusatzschilder dürften nur dort angebracht werden, wo es an der Haltelinie freie Sicht auf die Verkehrsströme gebe. Beachte eine Behörde dies nicht, „macht sie sich einer Amtspflichtverletzung schuldig, die zu zivil- und strafrechtlicher Haftung führen kann“, warnte Struben.

„Der Grünpfeil muss weg!“

An mehr als zehn Kreuzungen im Berliner Stadtgebiet habe der Verband festgestellt, dass Sichtfreiheit dort nicht gegeben ist. Der große Knotenpunkt am Ostbahnhof sei ein gutes Beispiel. „An der Kreuzung Straße der Pariser Kommune/Mühlendamm/Stralauer Platz kann der Grünpfeil-Nutzer an der Haltlinie unmöglich alle sechs freigegebenen Verkehrsströme überblicken", sagte Struben. „Vor allem kann er nicht wissen, dass in der Zufahrt Stralauer Platz für Linksabbieger ein Linksabbieger-Leuchtpfeil vorhanden ist. Die von dort kommenden Linksabbieger wenden häufig und geraten dann den Rechtsabbiegern aus der Straße der Pariser Kommune gefährlich nahe.“ Die Forderung lautet auch dort: Der Grünpfeil muss weg!

SPD fordert getrennte Grünphasen

Die Verkehrspolitiker der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus wollen auf einem anderen Weg für mehr Sicherheit sorgen – mit neuartigen Ampelschaltungen. „Separate Grünphasen für Fußgänger und Radfahrende“: So lautet der Titel ihres Antrags, der nun den Weg ins Parlament finden soll. „Hintergrund sind die häufigen Verkehrsunfälle an Kreuzungen und im Rahmen der Abbiegevorgänge. Allein Pkw verursachten hierdurch im vergangenen Jahr 22 Prozent der Radverkehrsunfälle“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf.

„Nun soll der Senat an allen Kreuzungen auf Berliner Hauptverkehrsstraßen eigene Grünphasen für zu Fuß Gehende und Radfahrende einrichten“ – vorrangig auf Hauptrouten des Radverkehrs. Ziel sei es, dass sich Verkehrsteilnehmer nicht mehr in die Quere kämen. Auch die Radfahrerlobby fordert getrennte Grünphasen. Doch bislang stieß dies bei den Ampelplanern im Senat auf Skepsis, weil sich die Ampelumläufe dadurch verlängern – was längere Wartezeiten bedeute. „Dies ist keinesfalls eine neue Erfindung. Es gibt die eigenen Grünphasen bereits, beispielsweise auf dem Siemensdamm“, sagte Schopf.