Berlin - Mehr als 1400 Doppel- und Eindeckerbusse sind für die BVG Tag für Tag im Einsatz, die zusammen knapp 100 Millionen Kilometer pro Jahr durch unsere Stadt kurven. Dazu kommen 22 Straßenbahnlinien mit einem Streckennetz von knapp 200 Kilometern. Rund 600 Millionen Passagiere werden so jährlich befördert – und es werden immer mehr.

Doch es sind leider nicht nur die Fahrgastzahlen, die steigen: Immer häufiger kracht es zwischen Bus, Bahn und anderen Verkehrsteilnehmern. Zuletzt in der Nacht zu Montag: Gleich vier Busse verunfallten im Stadtgebiet. Sechs Männer und eine Frau wurden dabei verletzt. Woran liegt es, dass es immer häufiger Unfälle dieser Art gibt?

3373 Unfälle mit Beteiligung von Bussen oder Straßenbahnen registrierte die Polizei im Jahr 2016, 663 Personen wurden dabei leicht, 86 weitere schwer verletzt. Zwei Menschen starben. Addiert man die Unfälle hinzu, bei denen keine Polizei gerufen wurde, steigt die Zahl sogar auf 5237 - das macht durchschnittlich 14 Unfälle pro Tag.

Ein Vergleich zum Jahr 2014 zeigt: Die Zahlen steigen dramatisch an. Denn 2014 waren es „nur“ 2730 polizeilich registrierte Unfälle. Innerhalb von zwei Jahren hier also eine Steigerung von über 20 Prozent.

Busfahrer übermüdet?

Dass die Zahlen in die Höhe schießen, erklärt BVG-Sprecherin Petra Reetz gegenüber der Berliner Zeitung mit einem immer größeren Streckennetz und dementsprechend mehr Fahrten. „Unterm Strich kann man sagen, dass die Unfallzahlen in etwa proportional zum Ausbau unseres Streckennetzes steigen“, sagt die Sprecherin.

Dass es mittlerweile durchschnittlich zehnmal am Tag kracht, hat aber noch weitere Gründe. Ein Busfahrer, der anonym bleiben möchte, sagt gegenüber der Berliner Zeitung: „Es gibt viele Kollegen, die mit dem Schichtsystem einfach nicht klarkommen und dementsprechend müde im Dienst sind. Und damit auch unkonzentrierter, ist doch logisch.“ Tatsächlich waren Busfahrer bei jedem zweiten Zusammenstoß zwischen Fahrzeugen des ÖPNV und anderen Verkehrsteilnehmern im vergangenen Jahr auch Unfallverursacher.

Dass möglicherweise auch das teils hohe Alter der Busfahrer zu den steigenden Zahlen beiträgt, lässt sich anhand der Unfallstatistik nicht belegen, da das Alter der jeweiligen Fahrer nicht veröffentlicht wird. Aufgrund von akutem Fahrermangel hatte die BVG Anfang des Jahres verkündet, dass sie bereits in Rente gegangene Busfahrer reaktiviere, um so den Fahrermangel zu bekämpfen. Da die bereits älteren Ex-Mitarbeiter regelmäßig von der Betriebsärztin untersucht würden, sehe man hier kein Problem, hieß es bei der Vorstellung des neuen Konzeptes.

Ausweichstrecken nicht ideal für Busse

„Dass jemand mit 65 oder mehr Jahren auf dem Buckel im täglichen Wahnsinn auf Berlins Straßen aber eher einen Fehler macht als ein 30 Jahre jüngerer Kollege, ist doch wohl klar“, so der BVG-Angestellte weiter. Eine weiteres Problem sind von den Stammstrecken abweichende Routen, etwa aufgrund von Bauarbeiten oder Feuerwehr- und Polizeieinsätzen.

„Wir haben bei der Planung der Ausweichstrecken zwar ein Veto-Recht“, so BVG-Sprecherin Reetz weiter. Dennoch seien die Alternativ-Routen nicht immer ideal. „Ein Gelenkbus ist bis zu 18 Meter lang“, sagt der Busfahrer. „Wenn Du damit durch eine enge 30er-Zone fahren musst, scheppert es nun mal schneller. Auch, wenn es aufgrund der geringen Geschwindigkeiten eher unspektakuläre Unfälle sind.“

Kleine Unfälle also, bei denen meist nur minimaler Schaden entsteht und laut Sprecherin Reetz „auch nicht zwangsläufig die Polizei gerufen werden muss, wenn sich alle Beteiligten einig sind“. Insgesamt gab es 2016 also 5237 Unfälle. Tendenz steigend.