Berlin - Bereits anderthalb Stunden vor der Beerdigung hatten sich die ersten Trauergäste auf dem Waldfriedhof Dahlem am Hüttenweg getroffen. Nicht alle fanden in der Kapelle Platz, die Türen blieben deshalb während der Feier geöffnet. Als eine Sängerin einen hebräischen Psalm vortrug, verließ eine junge Frau weinend die Kapelle. Auch auf Italienisch wurde gebetet; Giuseppe hatte italienische und bulgarische Wurzeln. Einige der gut 20 Kränze, die an der Seitenwand der Kapelle lehnten, waren mit italienisch beschrifteten Schleifen versehen. Auf einer stand: „Grazie di essere stato tra noi“ - Danke, dass du bei uns warst. Die meisten Trauergäste waren in Giuseppes Alter, viele von ihnen trugen die Kippa, die jüdische Kopfbedeckung. Der 23-Jährige hatte sich in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin engagiert. Verwundert über den großen Andrang bei der Feier schien niemand, so offensichtlich beliebt war Giuseppe M.. „Er war etwas Besonderes, wollte es zu was bringen,“ sagte ein junger Mann. Unter den Trauernden war auch der Schauspieler Klaus J. Behrendt. Der Sohn des „Tatort“-Kommissars war mit Giuseppe befreundet.

Während der knapp einstündigen Trauerfeier sprachen der Bruder Giuseppes und enge Freunde sowie der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und heutige Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama. Anschließend geleitete die Familie den schlichten hellen Holzsarg, der von sechs Männern getragen wurde, zum Grab. Viele der Trauernden warfen weiße und bunte Blumen in das Grab, einige Kuscheltiere. Als letztes legte Giuseppes Bruder eine Kippa und Militärmarke auf den Sarg. Wie es im Nachruf der Jüdischen Gemeinde hieß, hatte Giuseppe davon geträumt, zur israelischen Armee zu gehen. Das ging nicht. Deshalb ließ er sich bei der Bundeswehr einschreiben. In diesen Tagen sollte er seine Ausbildung als Gebirgsjäger beginnen. Es dauerte mehr als eine Stunde bis alle Trauergäste dem Toten die letzte Ehre erwiesen hatten. Vielen war die Fassungslosigkeit anzusehen. Kaum jemand sprach.

Giuseppe war am 17. September vor ein Auto gerannt und tödlich verunglückt. Zwei 21 und 22 Jahre alte Männer hatten ihn am U-Bahnhof Kaiserdamm angegriffen und verfolgt, Giuseppe floh vor ihnen auf die Straße. Einer der beiden Verdächtigen sitzt in Untersuchungshaft, der zweite wurde freigelassen, weil ihm keine Beteiligung an der Verfolgung nachgewiesen werden konnte. Es wird aber weiterhin gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Für die Familie von Giuseppe sei das aber nur ein schwacher Trost, sagten Freunde.