Am Tag nach dem illegalen Autorennen in Berlin mit einem Toten ermittelt die Polizei weiter die genauen Umstände des Unfalls, bei dem ein unbeteiligten Autofahrer ums Leben kam. Es geht den Ermittlern unter anderem um die hohen Geschwindigkeiten der beiden Sportwagen und um den genauen Verlauf des tödlichen Zusammenstoßes.

Ob die beiden Raser im Alter von 26 und 24 Jahre noch am Dienstag befragt werden sollten, war zunächst noch unklar, wie es bei der Polizei hieß. Die Verletzungen der Männer seien aber nicht so schwer, dass eine Befragung nicht möglich wäre.

Laut „Bild“-Zeitung (online) soll sich einer der beiden Raser bereits am Dienstag mit leichten Verletzungen selbst aus dem Krankenhaus entlassen haben. Seine verletzte 22-jährige Freundin und Beifahrerin habe demnach einen Schock erlitten und sei vorsorglich in die Psychiatrie gebracht worden. Der andere Raser behauptet laut „Bild“, sich an nichts erinnern zu können.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung droht

Die beiden Männer hatten nach dem Unfall in der Nacht zu Montag selbst aus ihren zerstörten Autos aussteigen können. Ihnen droht ein Strafprozess und eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.
Einer der Raser hatte auf einer Kreuzung der Tauentzienstraße, der Verlängerung des Kudamms zwischen Gedächtniskirche und KaDeWe, den Wagen eines Unbeteiligten gerammt. Der 69-Jährige starb noch um Unglücksort.

Nach Zeitungsberichten blieb der Tacho eines der beiden Sportwagen bei 200 Stundenkilometern stehen. Ob das die tatsächliche Geschwindigkeit beim Unfall zeigt oder ob der Tacho durch den Aufprall verstellt wurde, müssen die Ermittler herausfinden.

Fahrrad-Initiative fordert konsequentere Verfolgung von Rasern

Am Dienstagabend (18.30 Uhr) sollte an der Unfallstelle des Getöteten gedacht werden. Eine Initiative von Fahrradfahrern rief zu einem sogenannten Sit-In in der Tauentzienstraße auf. Die Initiative „Volksentscheid Fahrrad“, die für einen Ausbau der Rad-Infrastruktur in Berlin eintritt, verlangte eine konsequentere Verfolgung von Rasern.

„Illegale Autorennen sind auf dem Tauentzien und dem Kurfürstendamm seit langem bekannt, Innensenator Frank Henkel (CDU), Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsident Klaus Kandt schauen offenbar tatenlos zu“, kritisierte Heinrich Strößenreuther von der Initiative. „Radarkontrollen können mörderische Rennen verhindern, indem sie Täter erfassen und abschrecken. (...) Aber nur die konsequente Strafverfolgung kann auf Dauer weitere Opfer verhindern.“

Henkel will PS-Obergrenzen für Führerscheinneulinge

Innensenator Frank Henkel (CDU) will nicht auf mehr Blitzgeräte und Radarfalle setzen, sondern auf schärfere Strafen und PS-Obergrenzen für Führerscheinneulinge. Man müsse über vieles diskutieren, etwa eine Verschärfung des Rechts und einen konsequenteren Entzug des Führerscheins, sagte Henkel am Dienstag. „Hier musste ein Mensch sterben, weil ein paar Idioten ihr Testosteron nicht im Griff haben.“

„Einer der Täter hat seinen Führerschein erst seit 2014. Hier muss man sich schon die Frage stellen, ob man mit solch wenigen Erfahrungen so eine obertourige PS-Schleuder überhaupt führen darf.“ Henkel: „Ich bin sehr dafür, dass man über PS-Obergrenzen diskutiert.“

Milde Strafen in Köln

Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ulrich Lange (CSU), verlangte „mehr Sensibilisierung und Aufklärung“, eine „konsequenten Ahndung von Raserei“ und „ein klares Signal der Abschreckung“.

In Köln, wo 2015 drei Menschen bei illegalen Autorennen starben, wurden im Januar zwei junge Männer wegen eines ähnlichen Unfalls verurteilt. Die beiden Freunde im Alter von 20 Jahren hatten in der Innenstadt ein Rennen veranstaltet. Einer überfuhr mit 115 Stundenkilometern eine rote Ampel und rammte ein Taxi. Ein Fahrgast starb.

Das Amtsgericht verurteilte die Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Jugendstrafen von 16 und 12 Monaten auf Bewährung. Frühestens in einem Jahr kann bei einer medizinisch-psychologischen Untersuchung überprüft werden, ob sie ihren Führerschein zurückbekommen.

Berliner Fahrer sind polizeibekannt

Positiv wertete das Kölner Gericht, dass die beiden Angeklagten nicht vorbestraft waren, nicht zu der typischen Raser- und Tuning-Szene gehörten, es sich eher um eine „absolut jugendtypische Tat“ in einem Moment des „Totalversagens“ gehandelt habe sowie die Reue der jungen Männer.

Die beiden Berliner Fahrer sind dagegen polizeibekannt und fallen nicht mehr unter das Jugendstrafrecht. Das könnte in einem Prozess zu einer härteren Strafe führen. (dpa)