Berlin-Mitte - Es sind die letzten Sekunden vor dem schrecklichen Unfall in der Invalidenstraße Ecke Ackerstraße in Berlin-Mitte, der letzte Augenblick, bevor vier Menschen - darunter ein dreijähriger Junge - in den Tod gerissen werden. 

Die Dashcam im Wagen eines Taxifahrers zeichnet auf, wie der schwarze Porsche SUV direkt mit hoher Geschwindigkeit vor dem Aufprall an den wartenden Autos vorbeischießt. Laute Motorengeräusche sind zu hören - ein Knall. Dann wird das Bild schwarz: Es ist der Moment, in dem vier Menschen sterben und fünf weitere verletzt werden. Der Sender rtl hatte das Video am Samstag veröffentlicht und das Material in voller Länge auch an die Berliner Polizei weitergegeben, die noch den genauen Hergang des Unfalls ermittelt.

Unfall in Berlin-Mitte: Video bestätigt Zeugenaussagen

Das Video bestätigt die Aussagen von Anwohnern, die berichtet hatten, dass der Porsche Macan mit hoher Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn den stehenden Verkehr an der Ampel überholt auf den Gehweg geraten war. Der Sportgeländewagen knickte einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.

Auf dem Gehweg kam neben dem Kleinkind eine 64-Jährige Frau ums Leben, die Großmutter des Jungen. Zudem wurden zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren getötet. Die Mutter des Dreijährigen, die ein weiteres Kind dabei hatte, überlebte nach Feuerwehrangaben. Im Auto saßen auch ein sechs Jahre altes Mädchen und eine 67 Jahre alte Frau. Auch sie erlitten Schocks.  

Der 42 Jahre alte SUV-Fahrer erlitt Kopfverletzungen und liegt im Krankenhaus. Wie genau alles ablief, ist noch unklar. Eine offizielle Darstellung des Unfalls gibt es bislang nicht. Eine Vorsatz-Tat schließt der Verkehrsermittlungsdienst aber inzwischen aus. Die Polizei wertet noch die Spuren aus. Auch, ob ein medizinischer Notfall beim Fahrer des Wagens - etwa ein Herzinfarkt - die Ursache des Unfalls gewesen sein könnte, wird geprüft. Auf eine vorsätzliche Tat deutet nach Einschätzung der Polizei nichts hin. 

Unfall in Berlin-Mitte: Debatte um SUV-Verbot in Innenstadt

Anwohner und Passanten suchten auch am Sonntag den Unfallort in Berlin auf. Blumen lagen auf dem Weg, außerdem Kerzen, Kuscheltiere und Bilder. Am Samstagabend hatten etwa 500 Menschen mit einer Mahnwache auf der Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße der Opfer gedacht. Vier Minuten lang schwiegen sie am Unfallort - je eine Minute für jedes Todesopfer. Auf Transparenten verlangten Teilnehmer „Motorisierte Gewalt stoppen“, sie kritisierten „motorisierte Mordwerkzeuge“.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), sagte: „Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt. SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen!“ Jeder Fahrfehler bedeute Lebensgefahr für Unschuldige. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) reagierte zurückhaltender: „Wir müssen analysieren, wie es zu diesem schrecklichen Unfall kommen konnte, bevor wir Konsequenzen ziehen können.“

Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Debatte eröffnet, indem sie auf Twitter schrieb, SUV hätten in den Städten nichts zu suchen. Sie erntete dafür auch Kritik: So warf der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Mario Luczak dem Verein und anderen vor, den Unfall zu instrumentalisieren. (kmi)