Mitte - In Mitte ist am Freitagabend gegen 19 Uhr ein Autofahrer in eine Menschengruppe gerast. Dabei sind vier Menschen ums Leben gekommen, darunter ein dreijähriger Junge. 

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei war ein Porsche-Geländewagen an der Ecke Invalidenstraße und Ackerstraße auf den Gehweg gerast. Dabei erfasste er laut Polizei die vier Passanten. 

Unfall in Mitte: Mutter des getöteten Kindes überlebte

Den Hilfskräften, die im Großaufgebot zum Unfallort kamen, bot sich ein Bild des Schreckens: Das schwarze Autowrack zerfetzt auf dem Grundstück, davor auf dem Gehweg vier sehr schwer verletzte Menschen. Zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren, eine 64-jährige Frau und der drei Jahre alte Junge erlagen am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Die Versuche, sie zu reanimieren, blieben erfolglos.

Der 42-jährige Autofahrer erlitt Kopfverletzungen und kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Zum Unfallzeitpunkt saßen in dem Porsche noch ein sechsjähriges Mädchen und eine 67 Jahre alte Frau.

Überlebt hat die 38 Jahre alte Mutter des getöteten Kleinkindes. „Sie war - zumindest körperlich - unversehrt und hatte ein weiteres Kind dabei, das auch nicht weiter verletzt wurde“, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Medienberichten zufolge war unter den Toten auch auch die Großmutter des getöteten Kleinkindes.

Den genauen Unfallhergang müssen die Beamten erst ermitteln. Die Spuren sollen dann - gegebenenfalls auch in einem 3-D-Modell - zusammengeführt werden. So wolle man die Fahrt des Autos rekonstruieren und klären, ob es sich möglicherweise überschlagen habe, sagte ein Polizeisprecher.

Noch Stunden nach dem Unfall suchte die Feuerwehr mit Wärmebildkameras den weitläufigen, verwilderten Ort ab, um sicherzugehen, dass alle Unfallopfer geborgen wurden.

Unfall Invalidenstraße/ Ackerstraße direkt an Fußgängerüberweg mit Ampel

Fest steht bisher, dass der Unfall direkt an einem mit einer Ampel gesicherten Fußgängerüberweg geschah. Das Auto muss außerdem eine extrem hohe Geschwindigkeit gehabt haben: Beim Aufprall riss der Wagen eine der Ampeln aus der Verankerung. Außerdem fuhr er einen oder mehrere Bäume um, bevor er auf einer kleinen Freifläche neben dem Gehweg zum Stehen kam. 

Kein Anschlag - Berliner Polizei geht derzeit von einem Unfall aus

Einen Anschlag schließt die Polizei aus. „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Unfall handelt“, sagte ein Polizeisprecher. „Aber wir stehen mit unseren Ermittlungen erst am Anfang.“ Denkbar sei, dass der Fahrer am Lenkrad einen Kollaps erlitt oder bewusstlos wurde und dann das Gaspedal durchtrat. „Das sind aber noch reine Spekulationen“, so der Sprecher. Zu diesem Tathergang würde die Tatsache passen, dass am Unfallort keine Bremsspuren zu sehen waren. Demnach könnte es sich aber auch um ein illegales Autorennen gehandelt haben. Auch diesen Umstand prüft die Polizei derzeit, wollte dazu aber noch keinerlei Einschätzung abgeben.

Bis jetzt gibt es keine Hinweise auf ein weiteres, am Geschehen beteiligtes Auto. Er habe keine heulenden Motoren oder Ähnliches gehört, sagte ein Anwohner. Ein Mitarbeiter eines anliegenden Restaurants war direkt nach dem Crash zum Unfallort geeilt. „Ich habe mehr gesehen, als mir lieb ist“, sagte er. Er sei vom Quietschen und dem Geräusch eines Aufpralls aufgeschreckt worden, erzählte er. Als er zum Unfallort gelaufen sei, habe sich ihm ein Bild der Verwüstung geboten. „Es sah einfach furchtbar aus“.  

Ein anderer Nachbar, der einige Nebenstraßen weiter wohnt, kam zum Unfallort, weil es zunächst geheißen hatte, dass das jüdische Restaurant gegenüber Ziel eines Anschlags geworden sei. Dort jedoch ging der Betrieb am Abend unvermindert weiter, wie in allen anderen Restaurants und Läden der anliegenden Straßen. Vor dem „Club der polnischen Versager“ in der Ackerstraße wurde ein Freilufttheaterstück aufgeführt – beleuchtet vom Blaulicht der Polizeiwagen, die die Ackerstraße schon ab der Torstraße gesperrt hatten. „Amok“ war an der Fassade des Clubs zu lesen. Die Schauspieler wirkten ebenso verhalten wie die Zuschauer, die stehengeblieben waren. 

Am anderen Ende der Straße standen Anwohner an den rot-weißen Absperrbändern und versuchten, ihren Weg nach Hause zu finden. Die Einsatzkräfte ließen jedoch nur jene durch, die direkt am Unfallort wohnten und begleiteten sie einzeln dorthin. „Wir haben hier einen sehr schlimmen Unfall“, erklärte ein Polizist einer älteren Dame, die sofort den Rückzug antrat. 

Unfall Invalidenstraße/Ackerstraße: Irritationen um Tweet der Feuerwehr

Insgesamt waren Polizei und Feuerwehr mit mehr als 100 Kräften im Einsatz. Für Irritationen sorgte ein Tweet der Feuerwehr, die bereits kurz nach dem Unfall getwittert hatte, dass mehrere Personen, darunter ein Baby, tödlich verletzt worden sei. Später war dann von einem Kleinkind die Rede. Diesen Umstand wollte die Polizei aus Pietätsgründen auch im Laufe des Abends nicht offiziell bestätigen. 

Ausdrücklich bat die Polizei auf Twitter: „Bitte unterlassen Sie Spekulationen aus Rücksicht auf die Angehörigen.“

Mahnwache angekündigt

Am Ort des Unfalls mit vier Toten in Berlin-Mitte haben am Samstagmorgen Dutzende Anwohner ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Sie legten Blumen auf den Gehweg an der Kreuzung von Invalidenstraße und Ackerstraße und stellten Kerzen auf. 

Mehrere Organisationen riefen für Samstagnachmittag zu einer Mahnwache am Ort des Unfalls an der Invalidenstraße Ecke Ackerstraße auf. „Wir sind entsetzt“, erklärte Ragnild Sörensen von Changing Cities. Vier Menschen seien getötet worden - „wegen Rasen. Durch ein einziges Auto“. Roland Stimpel von Fuss e.V. forderte „Schluss mit dem Tempowahn“. Auch wenn Einzelheiten noch nicht bekannt seien, sei klar: „Jeder Stundenkilometer mehr ist eine zusätzliche Gefahr.“ Heiner von Marschall vom Verkehrsclub Deutschland (VCD Nordost) kommentierte: „Wie lange noch wollen wir das in unserer Stadt so einfach hinnehmen?“ (mit dpa und AFP)