Unfall oder „Einsturz mit Ansage“? Meterhohe Mauer stürzt in Kreuzberger Hof

Auf dem Hof spielen oft Kinder, sagen Anwohner. Die Baufirma, die auf dem Nachbargrundstück arbeitete, spricht von einem Unfall. Die Baustelle ist umstritten.

Foto eines Anwohners: Die vier Meter hohe Mauer stürzte am Freitagmorgen ein, wenig später wurden die Trümmer beseitigt.
Foto eines Anwohners: Die vier Meter hohe Mauer stürzte am Freitagmorgen ein, wenig später wurden die Trümmer beseitigt.Eike Stegen

Es war gegen acht Uhr am Freitagmorgen, als die Menschen im zweiten Hinterhof der Fidicinstraße 13/14 in Kreuzberg ein krachendes Geräusch hörten. Viel lauter als sonst in dieser Gegend. Wenig später stellten sie fest: Eine vier Meter hohe Mauer war einfach umgestürzt – und zwar in ihren Hof hinein. Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt keine Menschen im Hof. Doch Anwohner berichten, dass dort normalerweise Kinder spielen, Katzen entlanglaufen.

Eike Stegen wohnt in dem Haus und ist noch Tage später wütend. „Der Hof war überhaupt nicht abgesperrt“, sagt der Vater von zwei Kindern, „das muss man doch im Blick haben als Bauunternehmen!“ Auf dem Nachbargrundstück, dem Gelände der ehemaligen Bockbrauerei, liegt eine hoch umstrittene Baustelle.  Stegen sagt, es sei reines Glück, dass am Freitagmorgen kein Unglück passiert sei. Einige der Steine in der Wand seien sehr massiv gewesen, sagt er, sie stürzten mit Wucht auf den Hof. „Das war ein Einsturz mit Ansage!“

Die Wand grenzt das Wohnhaus von einem Gelände der ehemaligen Bockbrauerei ab. Daniel Beilfuss von der Firma Bauwert AG spricht gegenüber der Berliner Zeitung von einem „Unfall“. Es habe sehr wohl ein Abbruchkonzept gegeben, das mit Statiker und Prüfstatiker abgestimmt gewesen sei, allerdings für die Nachbarwand. Die vier Meter hohe Wand zu den Wohnungen habe der Radlader beim Räumen des Abbruchmaterials eingedrückt. Das habe zu einem teilweisen Einsturz geführt.

Beilfuss bedauert den Vorfall in einem Schreiben und verteidigt sich: „Diese Teile der Wand fielen in einen Teil einer Grünfläche im Innenhof, einer äußerst eingeschränkt begehbaren Fläche, welche keine Spielplatzfläche und keine für Anwohner nutzbare Fläche ist.“

Ignorantes Projektmanagement

Stegen widerspricht vehement: „Bei dieser Grünfläche ist das Gegenteil richtig“, sagt er. „An der Einsturzfläche wohnen zudem Menschen, auf deren Terrassen schlugen die Trümmer, an den Balkonen und Fenstern nur knapp vorbei.“

Er wirft Beilfuss in einem Schreiben vor, die Gegebenheiten vor Ort gar nicht zu kennen. „Das bestärkt mich in meinem Urteil, dass Ihr Projektmanagement ignorant, außerordentlich schlecht und gefährlich ist“, heißt es in diesem Brief. Auf einer Baustelle müssten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, die solche Vorgänge gar nicht erst ermöglichen.

Die Baustelle hinter der Wand ist schon länger ein Zankapfel im Bezirk. Die Bauwert AG wollte einst 400 Wohnungen errichten, ob das Sozialwohnungen oder Luxuswohnungen werden sollten, wurde nie genau gesagt. Unter anderem deshalb verhinderte der Bezirk den Bau. Das alte Schankhaus der Bockbrauerei steht mittlerweile unter Denkmalschutz und wird innen wie außen saniert. Bauwert ist auch an den Arbeiten nahe der der Friedrichwerderschen Kirche in Berlin-Mitte beteiligt. Dort war vor sechs Jahren beim Bau von Luxuswohnungen das historische Gebäude in Gefahr geraten.

Die Trümmer der Mauer in der Fidicinstraße wurden noch am Freitag komplett abgeräumt. Die Polizei, die zum Unfallort gerufen worden war, nahm den Fall auf.