Erinnerung an ein Unglück: Kurz nach dem tödlichen Zusammenstoß vor einem Jahr entstand am Unfallort in der Grunerstraße ein Mahnmal. Es musste nach vier Wochen wieder abgeräumt werden.
Foto: Camcop Media / Andreas Klug

Berlin Vor fast genau zwei Jahren, am 29. Januar 2018, starb die 21 Jahre alte Fabien Martini. Sie wollte mit ihrem Auto auf dem Mittelstreifen der Grunerstraße in Mitte einparken, als ihr Fahrzeug von einem mit Blaulicht fahrenden Streifenwagen gerammt wurde. Die junge Frau starb noch am  Unfallort. 

Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 52-jährigen Fahrer des Streifenwagens erhoben. Hauptkommissar Peter G. muss sich vor einem Schöffengericht des Amtsgerichts Tiergarten verantworten - wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Die Ermittler gehen davon aus, dass Peter G. zum Zeitpunkt des Unfalls 0,8 Promille Alkohol im Blut hatte.

Zusammenprall  mit Tempo 93

Peter G. war am Tattag gegen 13 Uhr mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zu einem Einsatz - ein Raub in der Mall of Berlin war gemeldet worden.  Der Polizeibeamte, der seit 31 Jahren Polizist war, soll mit dem Streifenwagen durch den Tunnel am Alexanderplatz mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde gefahren sein.

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Hinter der Tunnelausfahrt soll er mit dem Opel Zafira in einer schlecht einsehbaren Biegung auf der linken Spur der mehrspurigen Straße gegen das Auto von Fabien Martini geprallt sein - mit Tempo 93, so die Anklage.

Während die junge Frau aufgrund ihrer schweren inneren Verletzungen noch am Unfallort verstarb, wurden Peter G. und sein Beifahrer verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Blutprobe im Krankenhaus

Rund eine Stunde nach dem tödlichen Crash wurde Peter G. in der Klinik eine Blutprobe entnommen - doch erst durch einen anonymen Hinweis aus dem Krankenhaus soll bekannt geworden sein, dass der Hauptkommissar zum Zeitpunkt des Unfalls fahruntüchtig gewesen war.

Lange Zeit war unklar, ob die Ermittlungsbehörde den Blutalkoholwert aus der Krankenakte des Angeklagten überhaupt verwenden würde. Denn es fehlte eine zweite Blutprobe. Nun also muss sich Peter G. auch wegen seiner mutmaßlichen Alkoholisierung vor Gericht verantworten.

Ein Termin für ein Verfahren steht noch nicht fest.