Berlin - Bei manchen wurden am Dienstagabend in Mariendorf Erinnerungen an den schweren Unfall im September 2019 in Mitte wach: Am Mariendorfer Damm Ecke Alt-Mariendorf kam ein Mercedes GLK 220 von der Fahrbahn ab und raste auf den Bürgersteig. Der SUV rammte eine Ampel und ein Straßenschild. Auf der anderen Straßenseite prallte er gegen ein geparktes Auto. Dem 42-jährigen Fahrer war offenbar schwarz vor Augen geworden, weshalb er die Kontrolle verloren hatte. Der späten Uhrzeit ist es wohl zu verdanken, dass sich auf dem Gehweg niemand aufhielt.

Der Unfall geschah am Vorabend des Prozessauftakts gegen jenen Fahrer, der im September 2019 mit einem großen SUV einen Unfall in der Invalidenstraße verursachte. Laut Staatsanwaltschaft hatte er wegen eines epileptischen Anfalls mit seinem Auto eine Ampel gerammt, sich überschlagen und Fußgänger auf dem Gehweg erfasst. Vier Menschen starben – darunter ein dreijähriger Junge.

Weil der Wagen ein „Sports Utility Vehicle“ (SUV) war, entbrannte kurz nach dem Unfall die Debatte um diese Fahrzeuge. Fahrrad- und Fußgängerlobby-Vereine forderten, SUVs aus der Innenstadt zu verbannen. Der Vize-Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, verlangte eine Obergrenze für SUV. Der Grünen-Bürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel, twitterte: „Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt“. Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) sieht in dem Unfall „Symbolcharakter“: SUVs hätten zu einer Autokultur des „Ich, Ich, Ich“ geführt. Der Aufsichtsratschef von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch wiederum kritisierte die aus seiner Sicht erfolgte Instrumentalisierung eines tödlichen Unfalls: „Es ist teilweise pietätlos, wie da argumentiert wird.“

Laut ADAC werden die SUV von immer mehr Autoherstellern produziert. Diese Autos haben eine größere Bodenfreiheit und den Vorteil, dass der Fahrer leicht erhöht sitzt. Gerade für ältere Autofahrer ist das Ein- und Aussteigen bequemer.

Am Mittwoch, am Rande des Prozessauftaktes, sagte Rechtsanwältin Christina Klemm, die die Eltern des toten Kindes vertritt: „Man versteht die Verkehrspolitik nicht. Wollen wir das in unseren Städten? Wollen wir, das so gefährliche Waffen in die Hände von Menschen kommen, die dazu nicht geeignet sind?“ Die Debatte ist also längst nicht zu Ende.