Unfallbilanz Berlin: Zahl der Verkehrstoten auf Rekordtief

Berlin - Wenn nicht noch etwas Schlimmes passiert, könnte 2013 in die Berliner Geschichte eingehen: als das Jahr, in dem es in dieser Stadt so wenige Verkehrstote gegeben hat wie schon lange nicht mehr. In der Zeit vom 1. Januar bis 19. Dezember sind 36 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. 42 waren es im gesamten vergangenen Jahr, 1971 sogar fast 15 Mal so viel wie bislang seit Januar. Selbst vor dem Ersten Weltkrieg war der Straßenverkehr viel gefährlicher.

Das unfreundliche Wetter zu Beginn des Jahres ließ die Unfallzahlen sinken, sagte Siegfried Brockmann, der beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Unfallforschung leitet. „Der lange Winter spielte eine Rolle. Es wurde weniger gefahren, man fuhr vorsichtiger und langsamer als sonst.“ Neue Daten des Amts für Statistik für Januar bis Oktober zeigen, dass es auch weniger Verletzte gab. Ihre Zahl sank in Berlin im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 13.854.

Weiterhin tragen Unmotorisierte das größte Unfallrisiko. So kamen in diesem Jahr bislang neun Radfahrer und 14 Fußgänger ums Leben. Motorradfahrer sind ebenfalls gefährdet: Vier von ihnen starben in Berlin. Doch auch diese Zahlen sind niedriger als 2012. So verunglückten im vergangenen Jahr 15 Radfahrer tödlich. Angaben über Schwerpunkte liefert die Polizei im Februar.

Jeder Tote ist einer zu viel. Aber im Vergleich zu früher hat sich die Lage verbessert. Das zeigt das Buch über die Geschichte der Verkehrsplanung Berlins, das Ural Kalender geschrieben hat. Der Autor, der lange die Abteilung Verkehr in der Senatsverwaltung leitete, hat unter anderem in die Statistik für 1910 geschaut. Rechnet man die 35 Unfallopfer des öffentlichen Verkehrs heraus, verunglückten 89 Menschen auf den Straßenvon Berlin tödlich.

Früher war es viel gefährlicher

Nicht mehr nur durch Pferdefuhrwerke: Obwohl erst 3437 Kraftfahrzeuge in Berlin angemeldet waren, kamen 40 Menschen durch sie ums Leben – eine hohe Quote. Fast immer waren Fahrer von Taxis schuld, die die Mehrheit stellten. Für Privatleute waren Autos unerschwinglich. Die Kfz-Steuer, als Luxussteuer gedacht, machte sie noch teurer – insgesamt so kostspielig wie eine prächtige Kutsche mit zwei Pferden.

Doch schon bald nahm der Autoverkehr zu, und mit ihm stiegen die Unfallzahlen. Ampeln und Sicherheitstechnik gab es lange nicht, Verkehrsregelungen waren rar. So forderte der Individualverkehr in Berlin 1928 bereits 431 Tote. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als fast keine Privatautos durch die Ruinenstadt fuhren, gab es 417.

Zwar entstanden beim Wiederaufbau bessere Straßen. Aber dafür wurde in Westdeutschland und den westlichen Berliner Bezirken 1953 das innerörtliche Tempolimit aufgehoben. Jeder durfte so schnell fahren, wie er konnte. Folge: Es gab wieder mehr Unfalltote – 1955 waren es in West-Berlin 214. Zwar besserte sich die Lage, als Tempo 50 1957 wieder eingeführt wurde. Aber dafür machte sich angesichts der Motorisierung die fehlende Gurtpflicht bemerkbar. 1971 gab es in beiden Teils Berlins 532 Unfalltote.

Gurte, Airbags und andere Technik haben die Sicherheit für Auto- und Beifahrer erhöht. Ampeln, Rettungsmedizin und bessere Straßen ließen die Zahl der Unfalltoten ebenfalls sinken, so die Polizei.