Berlin - Bei einem schweren Unfall ist am Mittwoch in Pankow ein Autofahrer ums Leben gekommen. Wegen einer Panne musste er am Nachmittag auf einer Brücke der A 114 halten. Als er ausstieg, krachte von hinten ein VW Passat ungebremst auf seinen Transporter. Der Fahrer wurde über die Brüstung der Brücke geschleudert, die über die Bahnhofstraße, Ecke Steinsperlingweg führt. Er war sofort tot. Für die Unfallaufnahme musste die Polizei die Autobahn über Stunden in beide Richtungen komplett sperren. Dadurch kam es im Feierabendverkehr zu einem Verkehrschaos.

Kein Grund zur Entwarnung

Es ist der achte Verkehrstote in diesem Jahr in Berlin. Noch kurz zuvor hatte die Polizei ihre aktuelle Unfallstatistik für das Jahr 2012 vorgestellt. Demnach gab es 130.782 Unfälle, was eine Zunahme von rund 0,2 Prozent bedeutet. 2049 Menschen wurden schwer verletzt, 14.807 leicht. Die Zahl der Toten sank auf den historisch niedrigsten Wert seit dem Jahr 1900.

Gleichwohl sieht die Polizei keinen Grund zur Entwarnung. Auf Berlins Straßen wird gerast, gedrängelt und gerempelt. Alle vier Minuten wird die Polizei zu einem Unfall gerufen – Tendenz leicht steigend. Sicherheitsabstände werden nicht eingehalten und Spuren ohne zu blinken gewechselt. Jeder Fünfte begeht Unfallflucht.

Hauptursache für die Unfälle sind Fehler beim Abbiegen, Nichtbeachten der Vorfahrt, Alkoholeinfluss und immer mehr Fälle von zu hoher Geschwindigkeit. Überhaupt scheinen Geschwindigkeitsbegrenzungen immer weniger Fahrern etwas zu bedeuten. So hatte der Schnellste auf der Stadtautobahn 103 km/h zu viel auf dem Tacho. In Wedding bretterte ein Autofahrer mit 118 durch eine Tempo-30-Zone.

Mit 21 Radar- und 61 Lasergeräten war die Polizei 2012 unterwegs. Zudem wurden aus den stationären Überwachungsanlagen rund 150.000 Verfahren eingeleitet. Knapp die Hälfte davon entfiel auf den Autobahntunnel in Britz. Alles in allem stellte die Polizei mehr als eine Million Geschwindigkeitsüberschreitungen fest, die Bußgeldstelle nahm rund 70 Millionen Euro ein, inklusive der Parkverstöße.

Immer Unfälle mit Radfahrern

Unangepasste Geschwindigkeit beschäftigt die Polizei immer stärker. Bei der Vorstellung des Unfallberichts kündigte Polizeipräsident Klaus Kandt länderübergreifende Schwerpunktkontrollen gemeinsam mit Brandenburg an.

Spitzenreiter unter den Unfallschwerpunkten mit den meisten Verletzten nimmt die Bornholmer Straße/Schönhauser Allee/Wisbyer Straße ein. Hier wurden fünf Personen schwer und 28 Personen leicht verletzt. Fast genauso gefährlich ist es am Frankfurter Tor und am Großen Stern. Es kommt aber auch darauf an, wie gezählt wird. Legt man die Unfälle zugrunde, bei denen es vor allem Blechschäden gab, dann schepperte es am Ernst-Reuter-Platz am häufigsten (300 Mal), gefolgt vom Großen Stern und dem Jacob-Kaiser-Platz.

Der Anteil der Radfahrer an Unfällen steigt, sie verunglücken vor allem in der Innenstadt. Unter den Verkehrstoten ist ihr Anstieg besonders stark. Besondere Unfallschwerpunkte für Radler waren die Ecke Otto-Braun-/Mollstraße, gefolgt von der Ecke Otto-Braun-/Alexanderstraße/Karl-Marx-Allee. Schwerpunkte für Radunfälle sind auch das Frankfurter Tor und die Mühlenstraße in Friedrichshain oder auch die Blücher- sowie die Prinzenstraße in Kreuzberg.

Unfälle mit Radfahrerbeteiligung sind zu gleichen Teilen auf Fehler von Rad- und Autofahrern zurückzuführen. So benutzten Radler beispielsweise die falsche Fahrbahn oder fuhren falsch in den fließenden Verkehr ein, Autofahrer wiederum bogen rechts ab, ohne auf nahende Radler zu achten.

Auch die Polizei will aufs Rad

Auf die vielen Radfahrunfälle will die Polizei nun reagieren: Sie will selbst aufs Fahrrad steigen, „um auf Augenhöhe“ auf Radfahrer einzuwirken. „Wir denken über eine eigene Fahrradstaffel als dauerhafte Einrichtung nach“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt bei der Vorstellung des Unfallberichts. Er sagte, er stelle sich vor, dass sich die Polizisten auf E-Bikes fortbewegen. „Man wird sie wohl aber erst im nächsten Jahr auf der Straße sehen.“

Die Statistik im Internet unter www.polizei.berlin.de.