Das Unglück erinnert an die Vorfälle in Bottrop und Essen während der Silvesternacht. In der Osoler Straße fährt ein Auto in eine Personengruppe auf dem Gehweg – mit fatalen Folgen. Eine Frau stirbt, vier Menschen, die mit der 29-Jährigen unterwegs waren und wie sie aus Brasilien stammen, werden schwer verletzt. Doch anders als bei den Angriffen im Ruhrgebiet geht die Polizei bei dem Unglück in Gesundbrunnen nicht davon aus, dass der Täter aus Fremdenhass gehandelt hat. Das teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Hinweise auf eine absichtliche fremdenfeindliche Attacke wie in Bottrop und Essen gebe es nicht, hieß es im Polizeipräsidium. Das schließe man derzeit aus. Die Leiche der 29 Jahre alten Frau wird jetzt obduziert. Dann soll die Tote in ihre Heimat nach Brasilien gebracht werden. Ihre vier Landsleute werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Unfallursache könnte technisches Versagen sein

Die Touristen aus Südamerika waren in der Nacht zu Sonnabend gegen 2.30 Uhr an der Kreuzung Osloer Straße/Ecke Prinzenallee von einem 30-jährigen Autofahrer angefahren und schwer verletzt worden. Die Frau starb Silvester in einer Klinik. Für Donnerstag um 17.30 Uhr rufen Verbände zu einer Mahnwache am Unfallort auf.

Zeugen hatten berichtet, dass der Autofahrer eine rote Ampel missachtet habe. Die Ergebnisse der Blutanalyse des Mannes liegen noch nicht vor. Erste Tests hatten einen Alkoholwert von 0 Promille ergeben. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Begutachtung des BMW. Möglicherweise hatte technisches Versagen zu dem tödlichen Unfall geführt.

Der lettische Fahrer, der in Wedding lebt, kam nach seiner Vernehmung gegen eine Sicherheitsleistung von mehr als 5000 Euro auf freien Fuß. Er darf bis zur Aufklärung der Unfallursache Berlin nicht verlassen.

Fußgänger weiterhin die am stärksten gefährdete Gruppe im Straßenverkehr

Am Donnerstag wurde bekannt, dass ein 80-jähriger Fußgänger, der am 2. Dezember 2018 bei einem Verkehrsunfall in Rudow schwer verletzt worden war, am 29. Dezember in einem Krankenhaus in Neukölln seinen Verletzungen erlag. Laut Zeugenaussagen soll der 80-Jährige von einem Auto erfasst worden sein, als er einer Gruppe folgend die Neuköllner Straße überqueren wollte.  Wie die Polizei mitteilte, ist die Zahl der Verkehrstoten 2018 durch diese Unfall auf 45 gestiegen – neun mehr als im Jahr zuvor. Nun seien 19 tote Fußgänger zu beklagen, ebenfalls mehr als 2017. Damals kamen 13 Menschen, die sich zu Fuß bewegten, bei Unfällen ums Leben.

Trotz zahlreicher Anstrengungen, Mobilität sicherer zu machen, gelten Fußgänger weiter als die am stärksten gefährdete Gruppe von Verkehrsteilnehmern. „Alle drei Wochen wird auf Berlins Straßen ein Mensch getötet, der zu Fuß unterwegs ist“, teilte der Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS) mit. „Besonders gefährdet sind alte Menschen, besonders gefährlich sind Kreuzungen mit und ohne Ampeln, wo abbiegende Autofahrer das Vorrecht er Fußgänger missachten. Auffällig häufig sind auch Unfälle, bei denen Fußgänger zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn treten mussten, sie und die Autofahrer sich also nicht rechtzeitig sahen – vor allem dann nicht, wenn die Fahrer schnell unterwegs waren.“ Senioren seien stark betroffen.

„Der Fahrzeugverkehr muss entschleunigt werden“, forderte FUSS. „Wo Menschen zu Fuß und zu Rad Fahrbahnen kreuzen und benutzen, muss Höchsttempo 30 gelten.“

Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer gestiegen

Fahrradfahrer waren auch im vergangenen Jahr die am zweitstärksten gefährdete Gruppe. Nachdem 2017 neun Radfahrer in Berlin bei Verkehrsunfällen gestorben waren, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf elf. Auch hier haben ältere Menschen einen großen Anteil. Vier Radfahrer waren älter als 65 Jahre, als sie tödlich verunglückten, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). In sechs Fällen wurde die Hauptunfallursache von einem Kraftfahrer gesetzt, davon handelte es sich in drei Fällen um Lkw-Abbiegeunfälle.

„Die gestiegenen Zahlen bedeuten nicht unbedingt, dass Radfahren in Berlin gefährlicher geworden ist. Je mehr Menschen Rad fahren, desto mehr Radunfälle gibt es“, so ADFC-Sprecher Nikolas Linck. „Beängstigend ist, dass die Hauptunfallursache – Abbiegefehler durch Kraftfahrer – seit Jahren anteilig zunimmt.“