Es traf Frank S. vollkommen unvorbereitet im November 2014. Eigentlich hatte der Sozialarbeiter, damals 39, nur guten Willen gegenüber seiner Frau zeigen wollen und war deshalb zum Urologen gegangen. Eineinhalb Jahre hatten seine Frau und er zu dem Zeitpunkt schon versucht, ein zweites Kind zu zeugen.

Eine sechsjährige Tochter, auf natürlichem Weg gezeugt, hatten sie schon, aber eine zweite Schwangerschaft stellte sich nicht ein. Sie war 37, er ging im Stillen davon aus, dass ihre Fruchtbarkeit nachgelassen hatte, ließ sich aber trotzdem selbst untersuchen.

„Ich bin in ein Loch gefallen“

Frank S. konsultierte also einen Urologen, um sein Sperma testen zu lassen – und dann eröffnete ihm der Arzt, dass seine Samenqualität schlecht sei: Nur neun Millionen Spermien pro Milliliter, ab unter 15 Millionen Spermien spricht die WHO von einer Fertilitätsstörung.

Schlimmer noch: 81 Prozent der Spermien waren unbeweglich, vorwärts schwimmend: null Prozent. „Ich bin in ein Loch gefallen, das war ein Schlag für mein Selbstbewusstsein“, erzählt Frank S. 14 Monate später.

„Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Unfruchtbarkeit eine Sache der Frau ist“, sagt Sabine Kliesch, Professorin und Chefärztin für Männerheilkunde am Uniklinikum Münster. „In Wirklichkeit liegt das Problem genauso oft auf der männlichen Seite.“

Hoden im Bauchraum

Die Ursache kann unter anderem weit zurück liegen in der Kindheit des Mannes. So war es bei Frank S. Normalerweise bildet sich der Hoden beim Embryo während der Schwangerschaft nahe der Niere und wandert bis zur Geburt in den Hodensack.

Bei drei Prozent der Babys ist er aber dort nicht tastbar, sondern befindet sich im Bauchraum oder in der Leiste. Mit neun Jahren hatte Frank S. einen Leistenbruch, dabei wurde entdeckt, dass dort noch ein Hoden saß. Er wurde in den Hodensack versetzt. Das hatte Frank S. längst vergessen, erst auf Nachfragen des Arztes fiel es ihm dann wieder ein.

„Der Hoden wird im Körper zu warm, dadurch werden die Vorläufer der Samenzellen geschädigt“, erklärt Sabine Kliesch. „Heute wissen wir, dass ein Hodenhochstand innerhalb des ersten Lebensjahres korrigiert werden muss, damit die Jungs als Erwachsene keine eingeschränkte Spermienproduktion haben.“ Bei zehn bis 15 Prozent der Männer, die in eine Kinderwunschsprechstunde kommen, gebe es eine solche Vorgeschichte.

„Eine ausgewogene Ernährung ist sicher sinnvoll“

Bei Frank S. war allerdings nur ein Hoden betroffen – und er hatte schon ein Kind gezeugt. Es musste also noch andere Ursachen geben. Für ihn begann eine Zeit des Selbstzweifels. „Mein gesamter Lebenswandel stand zur Diskussion“, erzählt er. Ernährte er sich gesund? Er aß gerne Fleisch damals.

Heute lebt Frank S. vegetarisch. „So habe ich zumindest das Gefühl, etwas zu tun“, sagt er. Denn über den Einfluss der Ernährung auf die Spermienqualität ist wenig bekannt. „Eine ausgewogene Ernährung ist sicher sinnvoll“, sagt Sabine Kliesch. „Aber es gibt keine Studien, die etwa besagen, dass viel Gemüse besonders gut ist für die Spermienqualität.“

Bei Nahrungsergänzungsmitteln rate sie weder zu noch ab. „Sie werden nicht schaden, aber eine ausgewogene Ernährung ist wahrscheinlich genauso gut.“