Berlin - Im Fall des festgenommenen 29-Jährigen, der nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Februar einen 19-jährigen Union-Fan erstochen haben soll, gibt es neue Entwicklungen. Die BILD-Zeitung hatte am Mittwoch berichtet, es habe bereits vor dem Tötungsdelikt ein Haftbefehl gegen den aus Rumänien stammenden Tatverdächtigen bestanden. Der Grund: Razvan C. habe abgeschoben werden sollen. 

Gegenüber dieser Zeitung sagte Martin Pallgen, Sprecher der Senatsinnenverwaltung am Mittwoch jedoch: "Der Genannte ist rumänischer Staatsbürger, somit EU-Bürger. Ihm wurde im Jahr 2008 sein Freizügigkeitsrecht bescheinigt." Danach habe es dazu "keinen weiteren Vorgang in der Berliner Ausländerbehörde" gegeben. Pallgen wörtlich: "Die Person war nicht zur Abschiebung ausgeschrieben". Nach Mitteilung der Polizei Berlin lägen "zu der genannten Person weder in Poliks noch in INPOL Fahndungsausschreibungen vor".

Entzogenes Freizügigkeitsrecht  

Allerdings hatte es nach der Berichterstattung der BILD_Zeitung auch gegenüber dieser Zeitung aus Ermittlerkreisen geheißen, dass Razvan C. das sogenannte Freizügigkeitsrecht, das ihm als EU-Bürger zunächst regulär zugestanden habe, entzogen worden sei.

Nach Informationen der Ausländerbehörde besteht dieses Recht nach drei Monaten Aufenthalt nur dann weiter, wenn eine Erwerbstätigkeit oder Ausbildung ausgeübt wird, eine Arbeit gesucht wird, ein Daueraufenthaltsrecht erworben wurde oder wenn ausreichende eigene Mittel für den Lebensunterhalt und eine Krankenversicherung vorhanden sind. Ob Razvan C. diese Voraussetzungen erfüllt, ist nicht bekannt. 

Fahndung blieb wochenlang ergebnislos

Unterdessen wird klar, weshalb der Tatverdächtige erst nach zwei Monaten gefasst werden konnte. Denn seine offizielle Meldeadresse war in Berlin, gelebt haben soll er in den vergangenen Monaten aber bei seiner Freundin in Finsterwalde. Hier wurde er am Dienstagmorgen von Einsatzkräften der Berliner Bereitschaftspolizei festgenommen.  

Heimtücke und niedere Beweggründe

Nach Angaben von Mona Lorenz, Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft, lautet der Vorwurf nun offiziell auf Mord. Man gehe derzeit „von niederen Beweggründen und Heimtücke aus“, so Lorenz zum KURIER.
Niedere Beweggründe deshalb, weil es keinen erkennbaren Anlass für die Attacke auf den 19-jährigen Karl M. gegeben habe. Die Heimtücke wird damit begründet, dass Razvan C. seinem Opfer „das Messer wuchtig von hinten in den Rücken gerammt“ habe, sagte die Sprecherin weiter. Nun droht eine lebenslange Haftstrafe.