Berlin - Das Personaltableau war sorgfältig austariert, die Interessengruppen vor allem aus den Kreisverbänden waren weitgehend zufriedengestellt, mit der parteilosen Quereinsteigerin Sybille von Obernitz als Wirtschaftssenatorin fand sich sogar eine Frau für die erste Regierungsreihe. Doch mit Brauns Abschied als Senator für Justiz und Verbraucherschutz fehlt nun nicht nur ein Ressortchef, es fehlt auch ein prominenter Mitgestalter aus dem wichtigsten, weil mitgliederstärksten CDU-Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Noch ist unklar, wen Henkel als Nachfolger vorschlagen wird.

Von Herkunft, Ausbildung und Auftritt her böte sich die Rechtspolitikerin Cornelia Seibeld an. Die 37-jährige Juristin aus Steglitz-Zehlendorf ist derzeit Vorsitzende des Rechtsausschusses und machte während der Koalitionsverhandlungen einen guten Eindruck. Sie war auch schon als Senatorin im Gespräch, sagte aber ab, weil sie ein kleines Kind hat, um das sie sich kümmern möchte. In Fraktionskreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass sie diese Entscheidung noch einmal überdenkt.

Ansprüche aus dem Südwesten

In Frage käme durchaus auch Seibelds Lebenspartner Sven Rissmann, ebenfalls Jurist und Rechtsexperte der Fraktion und mit 33 Jahren noch sehr jung. Er wurde und wird von CDU-Landeschef und Innensenator Frank Henkel gefördert. Eben dies könnte auch Kritiker auf den Plan rufen, die eine zu große Nähe sehen. Zudem kommt Rissmann wie Henkel aus dem Bezirk Mitte.
Wie stark die Südwest-CDU den Anspruch formuliert, in der Regierung angemessen vertreten zu sein, ist offen. Michael Braun war das Kunststück gelungen, die vor Jahren noch heillos verzankten bürgerlich bis großbürgerlichen Christdemokraten aus dem wohlhabendsten Teil der Hauptstadt, nicht selten streitlustige Rechtsanwälte und rechthaberische Professoren, zu befrieden. Ein Teil dieses Deals war immer, dass sie ausreichend berücksichtigt werden. Auch deshalb schloss Henkel, früher kein Freund von Braun, mit dem Kreischef eine Art Kooperationsvereinbarung ab.

Am Ende könnte aber auch der Reinickendorfer Abgeordnete und Anwalt Burkhard Dregger das Rennen machen. Der 47-jährige Dregger, Sohn des prominenten Christdemokraten Alfred Dregger (gestorben 2002), repräsentiert anders als Braun den stark konservativen Flügel der Union, der vielen Parteimitgliedern in den letzten Jahren und gerade auch im Wahlkampf deutlich zu kurz kam. Dregger selbst ließ am Montag mitteilen, er sei bislang nicht gefragt worden. Das klingt recht deutlich nach einer Aufforderung.