Unisex-Toilette: Ein Klo für alle

Schauplatz Kreuzberg, Oranienstraße 106 – es ist der Dienstsitz von Arbeits-, Integrations- und Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD). In der 4. Etage gibt es zwei Toiletten. Neben der einen hängt das Symbol für Männer, neben der anderen logischerweise das für Frauen. Kurz nach 10 Uhr tauscht Kolats Staatssekretärin Barbara Loth die Männer-Frauen-Schilder aus. Sie schiebt die Glasplatte hoch, nimmt das Papier heraus, um es durch ein anderes zu ersetzen. Loth nimmt das Blitzlichtgewitter der Fotografen hin, obwohl ihre Finger beim Halten der Glasplatte fast verkrampfen. Sie steht hier schließlich für eine gute Sache. „WC für alle Geschlechter“ heißt es jetzt auf den neuen Schildern.

Das bedeutet im Klartext: Die erste Senatsbehörde hat Unisex-Toiletten. Was den Anschein eines großen Staatsaktes hat, ist aber ganz simpel. Die Toiletten sind dieselben, weiße Fliesen, Waschbecken, nur auf dem (ehemaligen) Männerklo sind jetzt Hygienebehälter installiert, die Urinale hängen aber noch und sind in Gebrauch. Der Umbau kostete 350 Euro. Neu ist eine verschließbare Zwischentür, sodass sich nur eine Person im Toilettenbereich aufhalten kann.

Ein Klo für alle – egal, ob Mann oder Frau – sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen, die sich eben nicht einem Geschlecht zuordnen können oder lassen wollen. Und deshalb bei jedem Gang auf eine öffentliche Toilette für sich entscheiden müssen, durch welche Tür sie gehen. Sie leben mit dem Risiko, dort angepöbelt und gemobbt zu werden. Diese Menschen will man mit dem geschlechterneutralen Klo vor Diskriminierung schützen.

Keine Weltrevolution

Lange hat man deshalb auch über neue Piktogramme an den Türen nachgedacht. Aber wie stellt man Unisex dar? Findet man eine Darstellung, die Mann und Frau gleichermaßen verkörpert? Zeigt man eine Frau mit oder ohne Rock? Viele Vorschläge wurden verworfen, weil sie selbst schon wieder diskriminierend waren. Übrig blieb nur das Für-Alle-Geschlechter-WC.

Dabei ist Unisex gar keine Weltrevolution. Sämtliche City-Toiletten sind nicht nach Geschlechtern getrennt. In Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg gibt es unzählige kleine Gaststätten und Bars, die haben nur eine Toilette, die für alle da ist. Und im Flugzeug? Seit Jahrzehnten schon Unisex. Ebenso die Züge der Bahn und Hotels.

Es bedarf keines Staatsaktes, nur weil ein paar Toiletten umgewidmet werden. Schon im vergangenen Jahr wurden in den Rathäusern in Mitte und kurz danach auch in Friedrichshain-Kreuzberg die Gemeinschafts-Toiletten eingeführt. Noch vor dem Beschluss des Abgeordnetenhauses im Februar, solche Toiletten einzurichten. Inzwischen wird daran gearbeitet, Diskriminierung abzubauen und in weiteren Landesbehörden Unisex-Toiletten einzurichten. Derzeit klingt das aber eher nach Verwaltung und Bürokratie. Wie wär’ es, einfach zu handeln und bei geeigneten Toiletten die Schilder auszutauschen? Das geht schnell und kostet nicht viel. Hilft aber vielen, die dringend mal müssen.