Berlin - Die Unisextoilette kommt – zumindest in öffentlichen Gebäuden im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Diesen Beschluss hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) getroffen. Linke, SPD und Grüne stimmten für den Antrag der Piraten. Die CDU war dagegen. Zunächst soll geprüft werden, in welchen Gebäuden eine Damen- oder Herrentoilette in eine geschlechterneutrale Toilette umgewandelt werden kann.

Obwohl Toiletten auf den ersten Blick nicht nach einem politischen Thema aussähen, heißt es in dem Antrag, den die Piraten-Fraktion an die BVV stellte, hätten sie eine große Bedeutung für den Alltag von Intersexuellen und Transsexuellen. Bei ersteren handelt es sich um Menschen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen können oder wollen. Transsexuelle hingegen haben ein biologisches Geschlecht, fühlen sich aber psychisch dem anderen Geschlecht zugehörig. Die Problematik der Geschlechtszugehörigkeit würde sich mit der Unisextoilette also zumindest in einer Alltagssituation erübrigen.

Keine Benachteiligung

Piratin Lena Rohrbach, die für das Thema zuständig ist, betont außerdem, dass in der Landesverfassung stehe, dass niemand wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt werden dürfe. „Alle sollten sich aussuchen dürfen, welche Toilette sie besuchen“, so Rohrbach. Dass für jeden – auch mit Unisextoilette – also die Wahl zwischen geschlechtsneutraler und geschlechtsspezifischer Toilette offenbliebe, begründe auch, dass sich niemand stigmatisiert fühlen müsse. „Es ist mir wichtig, dass alle die Toilette nutzen können, die ihrem Identitätsgeschlecht entspricht“, sagt Rohrbach. „Wir wollen die Wahlmöglichkeiten erweitern, nicht einschränken.“

Überlegungen, das Projekt Unisextoilette auch auf andere Bezirke auszuweiten, gebe es momentan in ihrer Fraktion noch nicht, sagt Rohrbach, die auch auf der Liste der Piraten für die Bundestagswahl steht. „Da es Menschen, die sich nicht als Männer oder Frauen bezeichnen können oder wollen, aber überall gibt, würde es mich freuen.“

Einer dieser Menschen ist Estelle van der Rhone. Van der Rhone ist eigentlich ein Mann und arbeitet tagsüber als Friseur und Make-up-Artist. Doch für seine Travestieshows wird der 27-Jährige zur Dragqueen. In der Bar, in der van der Rhone auftritt, gebe es ohnehin nur einen Unisextoiletten-Bereich, sagt sie. Müsste sie als Transsexuelle allerdings die Wahl treffen, wäre das für sie kein Problem: „Wenn ich mich als Frau fühle, als Frau kleide, dann gehe ich auf die Damentoilette.“ Den Sinn hinter der Einrichtung von Unisextoiletten für Transgender wie sie könne sie daher nicht erkennen. „Man entscheidet sich doch bewusst für ein Geschlecht“, sagt Van der Rhone. Es gebe wichtigere Themen, über die es sich lohne nachzudenken, sagt die Travestiekünstlerin.

Behindertentoiletten fehlen

So sind längst noch nicht alle öffentlichen Gebäude im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg behindertengerecht ausgebaut. Dies gilt besonders für die Schulen des Bezirks. „Das ist ebenfalls sehr wichtig, schließt sich aber nicht aus, und die Gruppen sollten auch nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagt die Piratin Rohrbach. Außerdem liege diese Thematik nicht in ihrem Verantwortungsbereich.