Berlin - Der Senat präsentiert der S-Bahn die Rechnung. Weil auch im vergangenen Jahr viele Fahrten ausfielen sowie Züge verkürzt und unpünktlich fuhren, soll das Unternehmen auf mehr als 46 Millionen Euro verzichten. Das sehen die vorläufigen Schlussrechnungen vor, teilte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) dem Abgeordnetenhaus in einem vertraulichen Bericht mit. Mit großen Anstrengungen und Ausgaben müht das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB), aus der Krise herauszukommen. Doch weiterhin ist ungewiss, wann es zu dem einst geltenden Normalfahrplan zurückkehrt.

Hätte die S-Bahn Berlin GmbH im vergangenen Jahr die volle Leistung erbracht, würde sie vom Senat 240,1 Millionen Euro erhalten. Doch stattdessen sollen nur 193,8 Millionen Euro überwiesen werden. Das ergab die Kalkulation des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) , auf die sich Müller bezog.

Mehr Geld für den übrigen Nahverkehr

Ein Beispiel: Allein 10,2 Millionen Euro will der Senat einbehalten, weil auch 2011 nicht alle S-Bahnen mit der vereinbarten Wagenzahl unterwegs waren. 3,9 Millionen Euro sollen nicht ausgezahlt werden, weil Züge wegen Störungen, die von der S-Bahn zu verantworten sind, ausfielen. Noch stärker sollen die Qualitätsmängel in der Rechnung zu Buche schlagen. Weil die S-Bahn die Vorgabe, mindestens 96 Prozent der Züge pünktlich zu fahren, erneut nicht erreicht hat, soll sie auf mehr als 21,1 Millionen Euro verzichten.

Um 7,2 Millionen Euro will der Senat den Betrag verringen, weil die S-Bahn in puncto Kundenzufriedenheit ebenfalls zu wünschen übrig ließ. „Der vertraglich vereinbarte Zielwert von 2,6 wurde, wie bereits im Vorjahr, deutlich verfehlt“, steht im VBB-Bericht, den Müller präsentierte. Eigentlich soll die S-Bahn bei Befragungen mindestens die Wertung 2,6 erhalten. Doch im Mai 2011 erhielt sie die Note 2,69, im November die Note 2,72. „Mehr als jeder fünfte Kunde bewertete die Qualität als schlecht oder katastrophal.“

Auch 2011 war die S-Bahn durch die Überlastung der Werkstätten beeinträchtigt, so der Bericht weiter. „Sichtbar wurde dies vor allem in der mangelnden Außenreinigung an den Fahrzeugen. Negativ fielen im Fahrbetrieb auch verschlossene Türen auf – besonders dann, wenn die Züge bereits gekürzt worden waren.“ Zu Spitzenzeiten führte dies dazu, dass das Ein- und Aussteigen länger dauerte – Verspätungen waren die Folge, stellte der VBB fest.

Zwar darf die S-Bahn im Gegenzug geltend machen, dass die Energiekosten gestiegen sind und Schienenersatzverkehr zu zusätzlichen Kosten geführt hat. Doch unter dem Strich bleibt, dass die S-Bahn auf rund 46,3 Millionen Euro verzichten soll. Wie angekündigt kommt das eingesparte Geld dem übrigen Nahverkehr zugute. So finanzieren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) damit die Sanierung von U-Bahnen.

Noch kein Termin für die S 85

Mit hohen Investitionen will die S-Bahn den Betrieb weiter verbessern. Um dauerhaft weitere Technikkapazitäten zu schaffen, werden bis 2014 in die wieder eröffnete Werkstatt Friedrichsfelde mehr als 20 Millionen Euro investiert, kündigte S-Bahn-Chef Peter Buchner jetzt an.

Zwar sei die Pünktlichkeit derzeit „total unbefriedigend“ – im August wurden nur rund 90, im September nur 92 Prozent der Zugfahrten als pünktlich registriert, auf der S 7 nur 86 Prozent. Doch die Zahl der eingesetzten Züge sei stetig gestiegen. Inzwischen seien morgens im Berufsverkehr im Durchschnitt rund 1010 Wagen im Betrieb. Laut Vertrag müssten es allerdings 1092 sein. Wann diese Zahl wieder erreicht wird, ist offen. Für die nächsten anstehenden Verbesserungen, die Reaktivierung der stillgelegten Linie S 85 und die Verlängerung aller S-75-Züge auf acht Wagen, gebe es noch keine Termine, sagte Buchner.