So viel steht fest: Wenn der Flughafen BER in Betrieb geht, werden sich viele Berliner umstellen müssen. Manche kommen schneller zum Flug als heute. Andere sollten mehr Zeit einplanen, wenn Tegel schließt und alle Flüge außerhalb der Stadt beginnen. Jetzt liegen zu den künftigen Bahnfahrzeiten weitere Daten vor. Mit Hilfe der Angaben vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) lässt sich eine wichtige Frage leichter beantworten: Wie lange werde ich unterwegs sein, bis ich am Flughafen BER bin?

Daten und Fakten sind wichtig, wenn es um dieses Thema geht. Denn bislang stehen meist subjektive Vorlieben und Gefühle im Vordergrund. Tegel liegt so schön nahe, sagen zahlreiche Berliner. Schönefeld? Das ist doch viel zu weit weg. So weit im Osten!

BER-Eröffnung steht in den Sternen

Was die Zahl der Kilometer anbelangt, mag das oft stimmen. Aber auch anderen Faktoren spielen eine Rolle. Wer schon mal auf der einzigen Zufahrt zum Flughafen Tegel im Stau stand, der weiß, wovon die Rede ist. Auf dem Weg nach TXL gibt es Nadelöhre – zum Beispiel die Ausfahrt von der A111 und die General-Ganeval-Brücke. Das wiegt um so schwerer, als dass es keine Schienenstrecke zum Flughafen gibt.

Nach Schönefeld können die Berliner dagegen schon seit fast 20 Jahren mit schnellen Regionalzügen fahren, zweimal stündlich zum S-Bahn-Tarif. Doch es gibt immer noch Hauptstadt-Bewohner, die nicht wissen, dass eine Fahrt vom Alexanderplatz nach Schönefeld nur 25 Minuten dauern kann. Wann der BER öffnet, steht in den Sternen. 2018? 2019? Klar ist dagegen, wer in puncto Anfahrtsweg die Gewinner und wer die Verlierer sein werden.

Je weiter im Westen ein Berliner wohnt, desto schmerzlicher wird der Abschied von Tegel für ihn. So wird die Fahrt vom Bahnhof Spandau zum BER mit der S-Bahn knapp 80 Minuten und per Regionalzug mehr als 50 Minuten dauern. Vom Zoo aus werden Regionalzugnutzer über 40 Minuten unterwegs sein, mehr als doppelt so lange wie heute mit dem Bus vom Zoo zum Flughafen Tegel. Die Steglitzer und Lichterfelder gehören ebenfalls zu den Verlierern – auch wenn sie eine BVG-Buslinie zum BER bekommen.

Nicht ganz so groß werden die zusätzlichen Zeitspannen sein, die Pankower einplanen müssen. Wer mit 50 Minuten zum BER davonkommt, wird sich allerdings glücklich schätzen können. Besser sind die Lichtenberger dran – aber nur, wenn sie vom BER nach Hause wollen. Nur 20 Minuten dauert die Fahrt zum Bahnhof Lichtenberg. Der neue Flughafen-Express, eine Ringlinie, verkehrt aber nur entgegen dem Uhrzeigersinn. In die andere Richtung müssen auch Marzahner oder Hellersdorfer mehr Zeit investieren und am Ostkreuz umsteigen.

Zu den Gewinnern gehören dagegen Schöneweide (22 Minuten vom S-Bahnhof zum BER) und Adlershof (17 Minuten), wo die Köpenicker zum BER umsteigen werden. Zu Recht erwartet die Wissenschaftsstadt Adlershof, dass sich weitere Unternehmen dort ansiedeln, wenn der BER öffnet.

Somit wird klar: Der Westen verliert, der Osten gewinnt, von einigen Ausnahmen abgesehen. Für die Fahrt zum Flughafen wird der Regionalverkehr an Bedeutung gewinnen. Dagegen wird der Bus-Marktanteil sinken.

Weniger Verdienst für Taxifahrer

Auch die Taxifahrer müssen sich darauf einstellen, dass sie weniger Fluggäste befördern. Von einer „deutlichen Reduktion des Taxi-Anteils“ gehen die Gutachter des Büros Spreeplan aus, die sich im Auftrag der Flughafengesellschaft mit dem Verkehr zum BER befasst haben. Am Verkehr von und nach Tegel hatte das Taxi 2015 einen Anteil von 31 Prozent – am BER werden es 2025 noch 12,8 Prozent sein.

Auf dem ersten Platz wird mit 62,2 Prozent der öffentliche Verkehr stehen, auf dem letzten der Fernbus mit 3,3 Prozent. 21,7 Prozent der BER-Nutzer werden mit dem Auto kommen, so die Prognose. Allerdings: „Die Belastung im Straßenverkehr, insbesondere der Autobahn, in den Spitzenstunden ist als kritisch einzuschätzen“, heißt es. Die A113 sei schon jetzt voll, mögliche Ausweichrouten wie das Adlergestell wären ebenfalls stark ausgelastet. Deshalb erwarten die Experten, das mehr Fluggäste mit dem öffentlichen Verkehr zum BER kommen als nach Tegel (dort sind es 44 Prozent).

Für die Zukunft sind weitere Regionalzuglinien geplant. So soll ab Ende 2022 die RB24 den BER mit Wünsdorf-Waldstadt und Eberswalde verbinden. Klar bleibt: Auch wenn sich 2025 die Fahrzeit zwischen Hauptbahnhof und BER auf nur noch 20 Minuten verkürzen soll – anders als anderswo bleibt der Flughafen-Express zuschlagfrei.