Zehntausende Menschen werden am Sonnabend mitten in Berlin gegen Rassismus und für ein vielfältiges Deutschland demonstrieren. Nach Großveranstaltungen in Hamburg und München plant ein sehr breites Bündnis aus Verbänden, Initiativen und Vereinen nun unter dem Hashtag #unteilbar am Sonnabend auch eine Großdemonstration in der Hauptstadt.

Aufgerufen zur Kundgebung haben auch zahlreiche Prominente wie TV-Satiriker Jan Böhmermann, die Band Die Ärzte, die Schriftstellerin Tanja Dückers, der Musiker Max Herre oder der Berliner Tatort-Star Mark Waschke.

Ab 13 Uhr wird sich der Demonstrationszug vom Alexanderplatz über Leipziger Straße und Brandenburger Tor bis hin zur Siegessäule bewegen, wo ab 16 Uhr eine bis in den Abend dauernde Abschlusskundgebung stattfinden soll. In diesem Rahmen werden auch der Sänger Herbert Grönemeyer oder Tocotronic-Frontmann Dirk von Lotzow auftreten.

Gegen populistische Tendenzen

„Wir rechnen mit mindestens 40.000 Teilnehmern“, sagte Anna Spangenberg, Pressesprecherin von #unteilbar am Mittwoch in den Räumen der Bundespressekonferenz, wo sich Veranstalter und Unterstützer präsentierten. In der Gesellschaft würden immer mehr Gegensätze auftreten, führte Naika Foroutan, Integrations- und Gesellschaftsforscherin an der Humboldt-Universität, aus. Zum Beispiel zwischen Oben und Unten, Ossis und Wessis, Frauen und Männern, Muslimen und Juden.

„Diese Bipolarität spaltet die Gesellschaft“, sagte Naika Foroutan. Dabei würden Freiheit und Gleichberechtigung das Grundgesetz durchdringen. Doch in der deutschen Gesellschaft stimmten Norm und Realität in zunehmenden Maße nicht mehr überein. „Wir erleben eine kollektive Normabsenkung – und dagegen möchten wir aufstehen“, sagte die Wissenschaftlerin mit Blick auf die AfD-Wahlerfolge und populistische Tendenzen europaweit.

Auch Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband machte eine breite Verunsicherung in der Mitte der Gesellschaft aus, hervorgerufen etwa durch Abstiegsängste oder steigende Mieten. Auf dem Podium der Bundespressekonferenz saß auch Schauspieler Benno Fürmann, der bereits im Werbevideo der professionell geführten Kampagne zu sehen ist. Fürmann sagte in einem eher pastoralen Tonfall, man könne nicht immer nur den Hashtag #wirsindmehr gut finden. „Dafür muss man auch etwas tun. Ich glaube auch nicht, dass das Problem gelöst ist, wenn der letzte Flüchtling das Land verlassen hat.“

Ein Journalist der rechtskonservativen Zeitung Jungen Freiheit fragte in der Bundespressekonferenz dann, ob auch vom Verfassungsschutz beobachtete linksextreme Organisationen teilnehmen würden. Als Beispiel nannte er ausgerechnet die in Deutschland verbotene Kurdenorganisation PKK. Pressesprecherin Spangenberg wies eine PKK-Beteiligung weit von sich, sprach von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis.

Streit in der Linkspartei

Dieses Vorgehen erinnerte ein wenig an die Kritik, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier widerfuhr, als er kürzlich über Facebook den Hinweis auf das „Wir sind mehr“-Open Air-Konzert in Chemnitz geteilt hatte. Einige Politiker und Medien hatten dem Bundespräsidenten daraufhin vorgeworfen, Linksextreme zu unterstützen – weil auch die linke Band Feine Sahne Fischfilet beteiligt war. Auch am Sonnabend sind sie wieder dabei.

Einen handfesten Streit gibt es hingegen bereits jetzt in der Linkspartei wegen der Demonstration. Während etwa Bundestags-Fraktionschef Dietmar Bartsch zur Teilnahme aufruft, kritisierte seine Co-Fraktionschefin Sarah Wagenknecht, dass der Aufruf offene Grenzen für alle Flüchtlinge fordere. Deshalb werde sie mit ihrer sogenannten Sammlungsbewegung nicht an der Demonstration teilnehmen. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich schrieb bei Twitter, er halte das für einen „großen Fehler“. Ähnlich äußerte sich der ehemalige Abgeordnete Jan van Aken, der 2017 die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg organisieren half.

Wetterprognose gut

Tatsächlich wendet sich der Aufruf lediglich gegen die Abschottung Europas. „Solidarität kennt keine Grenzen“, heißt es dort weiter.

Die drei Parteien Linke, SPD und Grüne wollen wie viele andere Initiativen jeweils in Blocks in der Demonstration mitlaufen. Viele Teilnehmer reisen mit Bussen aus anderen Städten an.

Meteorologen sagen für Sonnabend jedenfalls Sonnenschein voraus – und etwa 24 Grad. (mit mdc.)