Durchgangsverkehr – nein danke! Die östliche Innenstadt soll umfassend verkehrsberuhigt werden. Das hat das Bündnis „Stadt für Menschen“ jetzt vorgeschlagen. Unter den Linden und die Friedrichstraße sollen vorrangig den Fußgängern überlassen werden, oberirdische Parkplätze verschwinden, hieß es am Freitag. Die historische Mitte müsse wieder attraktiv werden, sagte Bündnissprecher Matthias Dittmer.

Kurz vor Weihnachten trat der Zusammenschluss erstmals in Erscheinung. Ein Teil der Friedrichstraße wurde zur „Flaniermitte“. „Wir wollten zeigen, wie schön und attraktiv diese Straße ist, wenn sie den Fußgängern zur Verfügung steht“, sagte Dittmer. Nun haben die mittlerweile 32 Mitglieder einen weitgehenderen Plan erarbeitet. Damit wollen sie den Senat auf Trab bringen, der für die Verkehrsgestaltung in Mitte derzeit nur eine Machbarkeitsstudie plant.

Auch Friedrichsstraße für Fußgänger derzeit unattraktiv 

Nach dem Willen des Bündnisses soll die Straße Unter den Linden dauerhaft autofrei werden – von der Liebknechtbrücke bis zur Charlottenstraße. Das wäre möglich, nachdem die Verlängerung der U5 2020 in Betrieb genommen und die Baustelle abgeräumt worden ist, erklärte Dittmers Sprecherkollege Stefan Lehmkühler. „Für Radfahrer und die BVG blieben die Linden offen.“ Versenkbare Poller, die von Bussen angefunkt werden können, würden andere Kraftfahrzeuge aussperren.

Auch die Friedrichstraße sei für Fußgänger derzeit unattraktiv – weshalb rund ein Viertel der Geschäfte leer steht. Sie sollte schon vorher abschnittsweise in eine Flaniermeile verwandelt werden. „Eigentlich wäre das sofort möglich“, sagte Dittmer. Für den 11. Mai, den Tag des Lesens, lädt das Bündnis zu Lesungen vor dem Kulturkaufhaus Dussmann ein. Solche Sperrungen sollte es an jedem Wochenende geben.

Mittelfristig sollte das Ziel sein, den Abschnitt zwischen der Französischen und der Leipziger Straße autofrei zu machen. Ob er auch für Radfahrer tabu sein soll, wird noch diskutiert. Der U-Bahnhof Französische Straße, der geschlossen wird, könnte zum Logistikstützpunkt werden, hieß es. Während der nächtlichen Betriebspause liefern U-Bahnen Warensendungen, die dann im Viertel verteilt werden.

Historische Mitte: Parkplätze auf der Straße sollen verschwinden

Am Gendarmenmarkt und weiteren Stellen im Umkreis müssten Sperren Durchfahrten verhindern, sagte Lehmkühler. Alle Parkplätze auf Straßen und Plätzen sollten verschwinden. In der historischen Mitte sollen Autos nur noch in Tiefgaragen und Parkhäusern abgestellt werden.

Das Bündnis hält nichts davon, die Linden und die Friedrichstraße komplett zu sperren. „Unser Motto ist: Erreichbarkeit sichern, Attraktivität erhöhen“, hieß es. Um den Verkehr insgesamt weiter zu begrenzen, sollte es allerdings auch auf der Leipziger Straße Einschränkungen geben: Tempo 30, separate Trassen für die Straßenbahngleise – und nur noch zwei Fahrspuren für Autos.