Berlin - Wie in der gesamten Republik, so wurden im vergangenen Jahr auch in Berlin deutlich weniger Autos verkauft und fabrikneu zugelassen als 2019. Kamen nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts 2020 bundesweit fast 700.000 Neuwagen weniger auf die Straßen als im Jahr zuvor, was einem Rückgang um 19,1 Prozent entspricht, so gingen die Zulassungszahlen in der Hauptstadt sogar um nahezu 25 Prozent zurück. Damit wurden in der Stadt fast 22.000 Autos weniger verkauft. Im Vergleich der Bundesländer ging die Nachfrage nach Neuwagen nur in Hamburg noch stärker zurück als in Berlin. Dort betrug das Minus 28,4 Prozent. In Brandenburg lag der Rückgang übrigens bei nur 11,4 Prozent.

Doch das ist nur die eine Seite der Entwicklung auf dem Automarkt. Die jetzt vorgelegten Zulassungszahlen dokumentieren vor allem einerseits die begonnene Abkehr vom reinen Verbrennungsmotor und parallel die Entdeckung elektrifizierter Antriebsarten. Denn während die Verkaufszahlen in Berlin bei Autos mit Benzin-, Diesel- oder Gasmotoren im Schnitt um 40 Prozent zurückgingen, explodierte die Nachfrage nach Autos mit Elektro- und Hybridantrieben geradezu und ließ ihren Marktanteil im hauptstädtischen Neuwagengeschäft binnen eines Jahres von zwölf auf nun 29,9 Prozent steigen. Bei den reinen Elektroautos, von denen 2020 in Berlin insgesamt fast 5000 Pkw fabrikneu zugelassen wurden, kletterte der Marktanteil von drei auf 7,5 Prozent. Bei von außen aufladbaren Hybrid-Pkw (Plug-in) wuchs der Marktanteil von 1,7 auf neun Prozent.

6800 Förderanträge für Elektroautos

Dass dieser Trend anhalten wird, steht außer Frage und lässt konkret auch die Lage bei der Beantragung von Fördermitteln erwarten. Laut zuständigem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lagen dort Ende November aus Berlin etwa 6800 Förderanträge für reine Elektroautos (Fördersumme: 6000 Euro) sowie 4200 Anträge für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (4500 Euro) vor.

Fraglich ist allerdings, ob der Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Stadt mit der Nachfrage nach Stromautos mithalten kann. Nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung gibt es derzeit in Berlin fast 1400 öffentliche und für alle zugängliche Ladepunkte, die aber schon jetzt nicht ausreichen. Bis 2022 sollen unter anderem rund 1000 Laternenladepunkte hinzukommen.

Dass das Ausbautempo deutlich erhöht werden muss, belegt auch eine Prognose des Reiner-Lemoine-Instituts. Nach dieser werde es im Jahr 2030 in Berlin mindestens 250.000 Elektroautos geben. Den Bedarf an Ladepunkten taxieren die Wissenschaftler dann im Mittel auf etwa 50.000 und lassen dabei an Ein- und Zweifamilienhäusern installierte Ladestationen bereits außer Acht. Heißt also: Im Schnitt müssen bis 2030 jährlich 5000 neue Ladepunkte in der Stadt entstehen.