Berlin - Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) will die medizinische Versorgung in den 39 Rettungsstellen Berlins verbessern. Das kündigte der Politiker am Dienstag im DRK-Klinikum Westend bei der Vorstellung des Krankenhausplans an, der von 2016 bis 2020 die Zahl der Betten in den Kliniken, aber auch Qualitätsstandards festlegt. Vertreter der Senatsgesundheitsverwaltung, Kliniken, Krankenkassen sowie Experten aus Hamburg und Brandenburg, die seit Ende 2012 an der Fortschreibung des Regelwerks arbeiten, haben als einen der Schwerpunkte die Notfallmedizin ausgewählt.

Lange Wartezeiten

Denn in den Rettungsstellen liegt einiges im Argen: Es gibt stundenlange Wartezeiten, das Personal ist knapp und die Vergütung deckt die Kosten bei weitem nicht. Parallel dazu steigt die Zahl der Patienten in den Rettungsstellen jährlich um fünf Prozent und liegt gegenwärtig bereits bei rund 1,2 Millionen Fällen. Doch nur ein Drittel der Patienten muss überhaupt stationär aufgenommen werden. Bei der überwiegenden Mehrheit genügt eine ambulante Behandlung.

„Wir wollen Personalmindestvorgaben“, sagte Czaja. Die Zahl der Mitarbeiter in den Rettungsstellen ist bislang ebenso wenig geregelt wie ihre fachliche Qualifikation. „Oft arbeiten dort Ärzte zu Beginn ihrer Weiterbildung, sodass die Facharztstandards nicht gewährleistet sind“, sagte Brigitte Wrede aus dem Referat Krankenhausplanung der Gesundheitsverwaltung. Künftig soll es in jeder Notaufnahme eine eigene ärztliche sowie pflegerische Leitung geben. Das Personal soll ausreichend qualifiziert sein, dazu will die Ärztekammer eine Zusatz-Weiterbildung anbieten.

Bessere Kooperation mit der Feuerwehr

Echte Notfälle müssten schnell und eindeutig identifiziert werden, sagte Wrede. Eine geschulte Pflegekraft soll abgestellt werden, um die Ersteinschätzung zu übernehmen. Ein geriatrisches Konzept mit einem geschützten Raum für ältere Patienten soll ebenso vorgeschrieben werden wie ein Infektionsschutzkonzept, um die Ausbreitung von gefährlichen Erregern zu vermeiden. Zudem müssen die Kliniken mit einer Notaufnahme über eine Radiologie mit CT, Labor, Anästhesie sowie mindestens zehn Intensivbetten verfügen.

Stark verbesserungsbedürftig ist auch die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Bis spätestens 2016 soll endlich ein elektronisches Bettenmelderegister eingeführt werden, damit die Feuerwehr weiß, welches Krankenhaus sie mit ihren Rettungswagen anfahren soll. „Zurzeit muss der Fahrer per Funk nachfragen“, sagte Stefan Poloczek, Ärztlicher Leiter der Feuerwehr. Die Kosten für ein solches Register betragen nach Angaben Czajas rund 100.000 Euro. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Notfallpatienten abgewiesen wurden. Die Feuerwehr soll ihrerseits die Patienten in der Notaufnahme ankündigen.

32 Euro pro Fall

Der Senator sagte, er setze sich auf Bundesebene dafür ein, dass ambulante Fälle in Rettungsstellen besser vergütet werden. „Derzeit gibt es dafür nur 32 Euro. Wir bräuchten rund 130 Euro, um kostendeckend zu arbeiten“, sagte Daniel Schachinger, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme der DRK-Kliniken in Westend und Mitte.

Eigentlich ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) für die ambulante Versorgung zuständig, ihr Bereitschaftsdienst erhält rund 60 Euro pro Einsatz. Czaja will, dass die KV zur Entlastung der Krankenhäuser – neben wenigen bestehenden – Praxen in Rettungsstellen einrichtet. Eine gesetzliche Handhabe hat er dazu nicht, er ist auf das Entgegenkommen der KV angewiesen. Aber weil sich mit Notfallpatienten nicht gut verdienen lässt, kann die KV-Spitze diesem Vorschlag offenbar nicht viel abgewinnen. „Die KV bewegt sich, doch über die Geschwindigkeit kann man streiten“, kommentierte Czaja.

Auch manche Klinikchefs dürften von den Plänen des Senators für die Notfallmedizin wenig erbaut sein. Denn die Umsetzung der Qualitätsstandards kostet Geld. Czaja betonte jedoch, dass die Krankenhäuser in Berlin – anders als im Bund – wirtschaftlich gut da stünden. „Mit einer Bettenauslastung von rund 82 Prozent liegt Berlin weit über dem Durchschnitt“, sagte der Gesundheitssenator.