Es klingt nach Science-Fiction. In Kapseln, die durch luftleere Röhren jagen, reisen Menschen und Güter von Stadt zu Stadt – mit mehr als tausend Kilometer pro Stunde. Hyperloop heißt die unterirdische Magnetschwebebahn, die in den USA erdacht worden ist und in Frankreich erprobt werden soll. Für mehrere Regionen ist das neue Verkehrssystem im Gespräch. Nun setzt sich die FDP dafür ein, dass auch Berlin Unterdrucktunnel bekommt. „Neue Verkehrsmittel wie Hyperloops können Ergänzungen zu den bestehenden Verkehrsträgern sein“, so der FDP-Verkehrspolitiker Henner Schmidt.

Für den ersten deutschen Hyperloop könnte Berlin–Leipzig eine Pilotstrecke werden, hieß es. Im Vakuumtunnel würde die Reise nur wenige Minuten dauern. „Hyperloops bieten sich für den Fernverkehr an“, sagte der Abgeordnete. Auch innerhalb der Stadt könnten neue Verkehrsmittel, die in Berlin bisher kaum eine Rolle spielten, Aufgaben übernehmen. „Seilbahnen eignen sich für dicht bebaute innerstädtische Gebiete“, so der Sprecher für Infrastruktur. Im FDP-Mobilitätskonzept, das er und Fraktionschef Sebastian Czaja am Montag vorstellten, ist auch von Schwebebahnen die Rede – ebenfalls als Ergänzungen. „Wir wollen die Debatte eröffnen“, hieß es.

Bierbikes sollen im gesamten Stadtgebiet verboten werden

Doch so reizvoll technische Neuerungen auch sein mögen: Den Berliner Liberalen geht es vor allem um das Auto, nach der Zahl der zurückgelegten Kilometer das bedeutendste Verkehrsmittel in dieser Stadt. Die FDP bemängelt, dass sich der rot-rot-grüne Senat kaum noch um die Autofahrer kümmert.

„Obwohl in Berlin ein erheblicher Teil des Verkehrs mit Autos abgewickelt wird, wird im Senat nicht mehr über Autos geredet“, kritisierte der verkehrspolitische Sprecher. Aus Sicht der FDP erscheine die offizielle Verkehrspolitik als „übertrieben autofeindlich“. Ein Beispiel sei das Mobilitätsgesetz, das die Koalition vor der Sommerpause verabschieden will: „Das Auto kommt nicht darin vor, sehr einseitig geht es vor allem um den Fahrradverkehr.“

Die FDP bekräftigte ihre Forderung, auf den Bau einer Straßenbahn in der Leipziger und Potsdamer Straße zu verzichten. „Angesichts der dortigen Engpässen ist ein solches Projekt nicht begründbar“, so Schmidt. Der U-Bahn-Ausbau müsse Vorrang erhalten. Damit der Autoverkehr besser fließt, sollten Bierbikes im gesamten Stadtgebiet verboten werden. Das Zentrum innerhalb des S-Bahn-Rings sollte auch für Pferdekutschen tabu sein – nicht zuletzt wegen des Tierschutzes. Wie früher müsse bei jedem Bauprojekt vorgeschrieben werden, Stellplätze für Autos zu errichten. Die Bezirke sollten darauf verzichten, in weiteren Stadtvierteln das Parken gebührenpflichtig zu machen, Private sollten Tiefgaragen und Parkhäuser bauen.

Für Fahrräder sollen Hochtrassen gebaut werden

Eingefleischten Autofans wird allerdings nicht jede Forderung im Mobilitätskonzept gefallen. So hält es die FDP für sinnvoll, den zu DDR-Zeiten erfolgten Straßenausbau auf ein stadtverträgliches Maß zurückzuführen. Das Westende der Karl-Marx-Allee und die Grunerstraße in Mitte seien breiter als sie sein müssten, sagte Schmidt. Fahrstreifen sollten wegfallen, damit Häuser gebaut werden können. Auch wäre zu prüfen, ob die Autobahnbrücke Breitenbachplatz abgerissen werden kann.

Dagegen sollten für Fahrräder Hochtrassen gebaut werden – damit Radler zügiger vorankommen. Die Liberalen fordern nicht nur Radschnellwege, auch Radtrassen unterhalb von Hochbahnen seien sinnvoll. Radwege müssten baulich abgetrennt werden, zwischen parkenden Autos und Gehwegen verlaufen. „Der Radverkehr ist ein wichtiger Bestandteil des Berliner Verkehrs“, so die FDP. Auch Liberale fahren Rad – Henner Schmidt ist einer von ihnen.