Vor dem Fenster fällt der Schnee in dicken Flocken, setzt sich auf Zweige und Autodächer. Ein weißer zweiter Weihnachtstag. Am Morgen zuvor hat der Papst auf dem Petersplatz in Rom seine Weihnachtsansprache gehalten, hatte darin das Fest ein Zeichen der Hoffnung für alle Geflüchteten auf der Welt genannt; am Heiligabend hatte zuvor der Bundespräsident die Deutschen mit Blick auf Pegida ermahnt, Flüchtlingen Schutz zu geben.

Es geht in diesen Tagen viel um sie, die Flüchtlinge. Menschen wie Gessan Tessare aus Syrien. Das Schneetreiben draußen lässt ihn nur kurz den Blick heben. Vor ihm auf dem Tisch liegt aufgeschlagen ein Sprachlehrbuch, Deutsch, Mittelstufe. Der Geruch von Essen hängt im Zimmer. Das einzige, das in der kleine Wohnung im Übergangsheim Marienfelde an Weihnachten erinnert, ist die gläserne Tasse, die vor Tessare steht: „Weihnachtsmarkt Dresden“, verblasst von unzähligen Spülgängen.

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