Berlin - Mehrere Berliner Wohnungsbaugesellschaften haben am Mittwochvormittag ungebetenen Besuch bekommen. Unterstützer des Bündnisses „Zwangsräumungen verhindern“ stürmten etwa zeitgleich gegen 11 Uhr in die Zentralen der Unternehmen und verlangten einen Stopp von weiteren Wohnungsräumungen.

Die Aktivisten drangen unter anderem in die Zentrale der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge in der Ferdinand-Schultze-Straße ein. Die Personen seien teilweise vermummt gewesen, hieß es bei der Howoge. Sie hätten eine Unterschrift verlangt, auf Wohnungsräumungen zu verzichten, diese aber nicht bekommen. Die Gesobau, die ebenfalls gestürmt wurde, teilte mit, dass sich Mitarbeiter in ihrer Zentrale im Märkischen Viertel durch die Aktivisten bedroht gefühlt hätten. Sie seien gegen ihren Willen gefilmt worden. Eine Gesobau-Sprecherin kündigte an, Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu erstatten. Gestürmt wurden ferner die Geschäftsräume der Wohnungsbaugesellschaft Mitte, der GSW und der Stadt und Land.

BBU: „Weit über jedes tolerierbare Maß“

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) bezeichnete die Aktion als „nicht nachvollziehbar“. Sie gehe „weit über jedes tolerierbare Maß hinaus“. Es sei „nicht hinnehmbar, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohnungsunternehmen in einer solchen Form bedrängt werden“.

Bis es zu einer Zwangsräumung als gerichtlich angeordnetem Verfahren komme, müssten viele Dinge schiefgegangen sein, so der BBU. Ursache für die Zwangsräumung seien in aller Regel Zahlungsrückstände, bei deren Aufarbeitung die Wohnungsunternehmen die Mieter so weit wie irgend möglich unterstützen. Sie seien dabei aber auf die Kooperation der Betroffenen sowie der zuständigen Ämter angewiesen.

Wie viele Zwangsräumungen es in Berlin gibt, ist unklar. Eine Statistik darüber wird nicht geführt. Es gibt nur Zahlen über terminierte Zwangsräumungen. Die aktuellsten stammen von 2011, als 6777 Räumungsmitteilungen von den Gerichtsvollziehern gemeldet wurden. Wie viele Wohnungen tatsächlich geräumt wurden, ist unklar.

Die Aktion gegen Zwangsräumungen steht im Zusammenhang mit einer Demonstration am Samstag. Unter dem Motto „Keine Profite mit der Miete“ rufen verschiedene linke Gruppen in neun Städten zu Demonstrationen auf.