In den kommenden Jahren werden viele Schulgebäude zu lärmenden und staubigen Baustellen. Denn der Senat startet seine dringend benötigte „Schulbau-Offensive“. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen weiter an, so dass vielerorts zusätzlicher Platz gebraucht wird.

Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) kündigte nun an, dass der Senat deshalb eine „strategische Containerreserve“ aufbauen werde. Ohnehin zeichne sich ab, „dass viele Schüler ihr ganzes Schulleben auf einer Baustelle verbringen werden“, heißt es in der Bildungsverwaltung. Bisher hatte man es dort tunlichst vermieden, von Schulcontainern zu sprechen.

Stattdessen setzte man auf die vorgefertigten Modularen Ergänzungsbauten (MEB). Das klingt nicht nur besser, die MEB sind auch besser ausgestattet als Container, auch, was Isolierung oder Schallschutz angeht. Da die Finanzverwaltung für die angeblich 50 Jahre haltbaren MEB nur eine feste Summe pro Bezirk bereitstellt, wird das Geld für die Luxus-Variante kaum reichen.

Deswegen kommen nun doch eher spartanische Container zum Einsatz. „Bei Baumaßnahmen sollen – bei Bedarf – Container systematisch mitgeplant werden“, bestätigt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung.

Streit in der Task Force

Hintergrund ist, dass die Schulen schneller schneller saniert und erweitert werden können, wenn bei den Arbeiten keine Rücksicht auf den Unterricht genommen werden muss. „Es ist kein zentrales Container-Dorf geplant“, sagt Stoffers. Dennoch baue man derzeit eine finanzielle Reserve aus, um ausreichend Container besorgen zu können.

Das Thema wurde am Dienstag auch in der „Task Force Schulbau“ behandelt, in der Senats- und Bezirksvertreter sich zusammen mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge und der Berliner Immobilienmanagement GmbH abstimmen. Der Verbund der östlichen Bezirke will nun womöglich in Eigenregie eine Containerreserve anlegen, wie Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) am Dienstag auf Anfrage bestätigte. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da.“

Einige Bezirke haben schon Erfahrungen gemacht – allerdings nicht unbedingt gute. Reinickendorf hat 14 Container angeschafft, um Schüler während der Bauarbeiten zu unterrichten, drei weitere sollen in Kürze folgen, bestätigt Schulstadtrat Thomas Dollase (parteilos, für CDU). Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung habe gezeigt, dass sich wegen der hohen Mieten die Investition in eigene Container in weniger als drei Jahren amortisiert. Allerdings hat der Bezirk offenbar mangelhafte Container gekauft. Ein Rechtsstreit mit dem Hersteller ist die Folge.

Besonders großer Bedarf in Mitte

Auch an der maroden Carlo-Schmid-Sekundarschule in Spandau gab’s Probleme mit der Container-Lösung. Die Idee war, die Schüler in mehrstöckigen Containerbauten unterzubringen, um das Gebäude zügig durchsanieren zu können. Doch hatte man vergessen den Untergrund vorher vernünftig zu stabilisieren. Wären die Behelfsbauten aufgestockt worden, wären sie womöglich im Morast versunken.

In Tempelhof-Schöneberg kommt demnächst eine Art Luxus-Container zum Einsatz. „Ein mobiler Holzcontainer aus vorgefertigtem Material“, sagt Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD), Zürich-Modell genannt. Den könne man schnell dort aufbauen, wo immer er benötigt werde.

Besonders groß ist der Bedarf in Mitte. Mehr als 1600 Plätze werden bereits in wenigen Jahren an Grundschulen fehlen, sagt Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU). Allerdings auch, weil der Bezirk über Jahre keine belastbare Schulbau-Planung hingelegt hat. „Klar ist: In zwei, drei Jahren fliegt uns der Deckel vom Topf“, sagt Spallek jüngst. Er geht längst davon aus, dass Grundschüler auch in Mitte in Containern lernen werden.

An der Charlotte-Pfeffer-Förderschule unweit der Karl-Marx-Allee ist das längst der Fall. Dort werden die Förderschüler in Containern untergebracht. Die Umstände sind prekär. Ein Neubau verzögerte sich bisher um acht Jahre, die beauftragten Architekten schmissen aus Frust über das aus ihrer Sicht unkooperative Bezirksamt schließlich hin. Nun wurde die Fertigstellung für 2021 angekündigt.

Kein Platz in Biesdorf

In Biesdorf rufen Eltern und Lehrer bereits heute eindringlich nach zusätzlichen Containerbauten. Die dortige Grundschule am Fuchsberg soll zum kommenden Sommer einen Neubau beziehen. Derzeit hat die Grundschule drei Klassen pro Jahrgang. Doch in Biesdorf-Süd wird viel gebaut. Schulleiterin Feig rechnet vor, dass im Neubau eineinhalb Klassen pro Jahrgang fehlen.

„Wir haben bis zu 29 Kinder in einer Klasse.“ Deshalb will die Schule unbedingt Container haben. Die Elternvertreter haben einen Bittbrief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) geschrieben. Doch dort verwies man gleich wieder an den Bezirk. Munter wird die Verantwortung wieder hin und her geschoben. Ein bewährtes Prinzip in Berlin.