Erst seit einer Woche ist das Einkaufszentrum Mall of Berlin an der Leipziger Straße geöffnet, dafür ist dort schon einiges passiert: Zweimal gab’s Feueralarm, und am Mittwoch war ein Bär da.

Es war ein „Tarif-Bär“, ein Aktivist der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Kostüm des Berliner Wappentiers. Zusammen mit anderen Gewerkschaftern machte er vor dem und im Einkaufszentrum auf eine Situation aufmerksam, die die Landesfachbereichsleiterin Handel, Erika Ritter, „25 Jahre nach dem Mauerfall einfach skandalös“ findet: Im Ost-Berliner Einzelhandel gelten noch immer niedrigere Tarife als im Westen.

Obwohl sie eine Stunde pro Woche länger arbeiten, erhalten die Angestellten in den Läden der neuen Mall fünf Prozent weniger Urlaubs- und zehn Prozent weniger Weihnachtsgeld ausgezahlt, als – zum Beispiel – ihre Kollegen in den nahen Potsdamer Platz Arkaden mit ähnlichen Geschäften. Für die Arbeitgeber summiert sich die Einsparung pro Ost-Vollzeitbeschäftigten auf jährlich 1171 Euro.

„Schreiende Ungerechtigkeit“ für Angestellte

„Es ist höchste Zeit, diese schreiende Ungerechtigkeit zu beenden“, sagt Erika Ritter. Bisher hätten die Arbeitgeber vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) die Ost-Beschäftigten hingehalten. Eine Angleichung der Tarife sei erst möglich, wenn im Westen ein neuer Entgeltvertrag sowie insgesamt mehr Arbeitszeitflexibilisierung vereinbart würden, heißt es. Darüber werde verhandelt, so Ritter.

Die Resonanz auf den Tarif-Bären sei verhalten ausgefallen, berichtet Verdi. Nur wenige Kunden hätten reagiert. Ohnehin hat die Gewerkschaft im Handel einen schweren Stand, auch die klassische Vollzeitbeschäftigung spielt in der Branche eine immer geringere Rolle. Von den bundesweit knapp 3?Millionen Beschäftigten arbeiteten voriges Jahr 62 Prozent in Teilzeit, 2011 waren es 57,5 Prozent.