Berlin - Die Obmänner der Koalition waren zufrieden mit der ersten Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss. Am Freitag traten auf: Alexander Straßmeir, (CDU), Mitte der 90er-Jahre Referent für Flughafenfragen im Roten Rathaus; Herbert Märtin, Mitte der 90er-Jahre Chef eines Beratungsunternehmens; Klaus Böger, Mitte der 90er-Jahre SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus. Befragt wurden sie zur damaligen Standortentscheidung. Der Ausschuss meint, das Thema gehöre dazu, wenn man das Debakel um den Großflughafen BER aufklären will.

Die Ausschussmitglieder Ole Kreins (SPD) und Stefan Evers (CDU) teilten anschließend mit, die Runde habe viele Erkenntnisse gebracht. Alle drei Zeugen hätten darauf hingewiesen, dass es konkurrierende Gutachten, Stellungnahmen und Expertisen gegeben habe – über die Standortfrage, die erwarteten Passagierzahlen, die Kosten und die Bauzeiträume. Dabei sei festgehalten worden, dass Sperenberg deutlich teurer gewesen wäre als ein Ausbau von Schönefeld.

Martin Delius von den Piraten, der das Gremium des Abgeordnetenhauses leitet, zog eine ganz andere Bilanz. Aus heutiger Sicht müsse man sich fragen, wie sinnvoll die Entscheidung für Schönefeld gerade aus Kostengründen gewesen sei. „Im allgemeinen Privatisierungswahn der 90er-Jahre wurde offensichtlich angenommen, ein einmal privatisierter Großflughafen werde sich schon irgendwie refinanzieren“, sagte er. Die Privatisierung ist bekanntlich später gescheitert, den Großflughafen baut die öffentliche Hand.

Andreas Otto von den Grünen fand interessant, dass die Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Flughafengesellschaft bereits Mitte der 90er-Jahre problematisch war. Das habe er den Ausführungen von Straßmeir entnommen. Der Informationsfluss sei so schwierig gewesen, dass die Aufsichtsräte meist schlecht informiert wurden. „Wenn aber bereits 1995 klar war, dass ein Milliardenbauprojekt erhebliche Anstrengungen aller Entscheidungsträger braucht, dann sind die Vorgänge der Ära Wowereit umso unverständlicher“, sagte Otto.

Die einzigen, die unzufrieden waren, sind die Linken. Obfrau Jutta Matuschek schimpfte, der Ausschuss verschwende wertvolle Zeit mit der Historie. Ihrer Forderung, den Untersuchungsauftrag stark zu straffen, räumte sie jedoch keine Chance ein. Die anderen Fraktionen lehnten dies ab, sagte Matuschek. Die Piraten wollen den Auftrag zwar um aktuellere Fragen ergänzen, andere Komplexe aber nicht herausnehmen. Der Ausschuss wird es wohl so beschließen.