Unterwegs mit der Berliner Fahrradstreife: Recht und Ordnung auf zwei Rädern

Berlin - Man sieht ihr an, dass sie den Funkwagen gern gegen das Fahrrad tauscht. Schlank, sportlich, trainierte Beine, und die Frühlingssonne hat schon Farbe im Gesicht hinterlassen. Kati S. ist Oberkommissarin beim Polizei-Abschnitt 21 in der Spandauer Moritzstraße. Die 34-jährige Beamtin sitzt mehrmals pro Woche in ihrem Zuständigkeitsbereich zwischen Altstadt und Stadtgrenze stundenlang auf dem Rad – dienstlich. Sie fährt Streife mit dem Polizei-Fahrrad, bis zu 30 Kilometer Strecke am Tag.

Bei Streifenfahrten – egal mit welchem Verkehrsmittel – geht es der Polizei um Präsenz in der Öffentlichkeit. Sie soll das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung erhöhen und präventiv wirken. Rund 400 Dienstfahrräder hat die Polizei in ganz Berlin, sie werden in allen Bezirken für diesen Zweck eingesetzt. Auf der Straße und ganz besonders dort, wo Autos nicht fahren können, in Parks und Waldgebieten etwa. Doch wenn beispielsweise ein Taschendieb inflagranti beobachtet würde, würden sie ihn natürlich auch verfolgen und stellen.

Verkehrserziehung und Geldbußen

Kati S. fährt ein Trekkingrad. Auf Velo-Streife ist sie voll ausgerüstet wie sonst auch: Handschuhe, Funkgerät, Schlagstock, Schusswaffe. Zur Uniform gehören im Sommer eine kurze Hose, Sportschuhe sowie ein Fahrradhelm, was bei der Polizei – anders als sonst – Pflicht ist. „Vorbildfunktion“, sagt Kati S.

Vom Fahrrad aus, erklärt sie, habe sie eine andere Perspektive auf den Verkehr. Vor allem Radfahrer und Fußgänger habe sie besser im Blick, was im Funkwagen nicht immer möglich sei. „Man kommt leichter an die Leute ran“, sagt Kati S. „Ich bin flexibler und kann schneller anhalten.“

Und anhalten muss sie oft. Mal sind es einfach nur „verkehrserzieherische Gespräche“, wie es in der Polizei-Sprache heißt. Häufig muss die 34-Jährige aber auch Geldbußen verhängen. Zehn bis zwölf Mal pro Streife, die jeweils etwa sieben Stunden dauert. Viele Radfahrer, sagt Kati S., nähmen es mit der Straßenverkehrsordnung nicht so genau. Da werde gegen die Fahrtrichtung oder auf dem Gehweg gefahren, mit Kopfhörern in den Ohren oder ohne Beleuchtung. Besonders oft: Missachtung der roten Ampel, ein Verstoß, der hart geahndet wird. „Die rote Ampel interessiert viele nicht. Das erlebe ich tagtäglich“, sagt die Polizistin. Vor allem Fahrradkuriere seien da auffällig.

Geflüchtet ist bislang noch niemand

Kommt man beim Radeln auf dem Gehweg oder Fahren in falscher Richtung mit 5 beziehungsweise 15 Euro noch relativ glimpflich davon, so ist die Strafe bei der roten Ampel schon saftiger. 45 Euro plus einen Punkt in Flensburg sind dann fällig. War die Ampel schon länger als eine Sekunde rot, sind es sogar 100 Euro. Dass auch Radfahrer Punkte im Verkehrsregister bekommen, sorgt immer wieder für Verwunderung. Ein Kollege von Kati S. stellt klar: „Das gilt in diesem Fall auch für Radfahrer, wobei es egal ist, ob sie einen Führerschein haben oder nicht.“

25 Euro zahlen muss auch, wer beim Radfahren mit dem Handy am Ohr erwischt wird. Auch das beobachtet Kati S.häufig. Erlaubt sind Headsets. Bei Kopfhörern – ob zum Musikhören oder Telefonieren – gilt grundsätzlich: Der Verkehr und etwaige Warnsignale dürfen nicht übertönt werden.

Geflüchtet sei vor ihr noch niemand, sagt Kati S.. „Die wissen, dass wir sie kriegen.“ Wer die sportliche Frau sieht, glaubt ihr das sofort. Die 34-Jährige, die im westlichen Umland lebt, fährt auch in ihrer Freizeit gern Rad. Vor allem im Wald, mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter auf dem Kindersitz. Sie weiß selbst, dass es nicht überall eine Freude ist, per Rad unterwegs zu sein. „Der Radweg auf der Falkenseer Chaussee zum Beispiel ist eine Katastrophe“, sagt sie.

Wer dort auf die Straße ausweicht, für den hat sie Verständnis – dort ist es schließlich auch erlaubt. „Wir greifen nur ein, wenn der Radweg mit dem blauen Gebotsschild vorgeschrieben ist.“ Selbst dann gibt es eine Ausnahmeregel: Radfahrer dürfen grundsätzlich auf der Straße fahren, wenn der Zustand des Radwegs unzumutbar ist.

Die 34-Jährige will in ihrem Job aber mehr als nur sanktionieren. Manchmal, sagt sie, ginge es einfach nur um das Gespräch mit Anwohnern oder Spaziergängern. Die würden sich regelrecht freuen, wenn sie einen Polizisten auf dem Fahrrad sehen – ein ungewohntes Bild immerhin. „Wir vermitteln einen positiven Eindruck“, sagt Kati S. „Auf dem Rad wird man als anderer Polizist angesehen, das wird mit Sport verbunden.“