Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Unwettern in Deutschland – und die Meteorologen mahnen zur Vorsicht.

„Das ist ein Zufall, dass das Unwetter gerade jetzt auf uns zukommt. Es ist wie ein Würfelspiel“, sagt der Meteorologe und Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Unwetter kommen infolge der Erderwärmung häufiger vor und intensivieren sich.“

Weil der Klimawandel nicht der einzige Faktor sei, der zu Unwettern führe, müsse man immer die Summe aller Ereignisse hernehmen, also lange Zeiträume betrachten, so der Meteorologe. Dass die Lage in Berlin und Brandenburg heute wahrscheinlich etwas weniger bedrohlich werde als in Westdeutschland, liege an der konkreten Wettersituation.

„Sie hatten in Ostdeutschland ja auch schon in der Vergangenheit extreme Überschwemmungen, wenn ich an die Oder- und Elbefluten denke. Regionale Besonderheiten spielen eine sehr wichtige Rolle. Flusstäler zum Beispiel sind besonders gefährdet. Man kann insgesamt sagen, dass die Wahrscheinlichkeit für Starkregen überall in Deutschland zunimmt und damit die Gefahr für Überschwemmungen ebenfalls. Wo es dann konkret passiert, ist relativ zufällig.“

Eine neue Normalität?

Die Ursache eines Unwetters bleibe gleich: Warme Luftmassen treffen sich mit kalten Luftmassen und es kann zu heftigen Gewittern und Starkregen kommen. Je wärmer, desto stärker die Regenfälle. Dass extreme Unwetter für uns jetzt normal werden, möchte Prof. Latif trotzdem nicht bestätigen.

„Gewitter bleiben natürlich seltene Ereignisse. Es ist ja nicht so, dass sie jeden Tag passieren. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens hat sich deutlich erhöht, sie kommen jetzt öfter vor. Die Wahrscheinlichkeit einer Hochwasser-Katastrophe wie 2021 in West- und Süddeutschland war noch vor 100 Jahren einmal pro Jahrhundert. Jetzt wird so etwas vielleicht alle zehn Jahre vorkommen.“ Und ja. Jedes Unwetter sei mit Lebensgefahr verbunden, so der Meteorologe.

„Blitzschlag, starke Winde, Starkregen und so weiter können mit Unwettern einhergehen.“ Daher rät der Wissenschaftler: „Am besten geht man gar nicht raus. Und wenn es zu extrem wird wie letztes Jahr, dann müssen einfach die Verantwortlichen auch mal die Menschen schnell genug evakuieren.“

Zuvor hatte der Meteorologe Jörg Kachelmann beide Optionen für Berlin in Aussicht gestellt: Es könne „nur“ regnen. Aber auch richtiges Unwetter sei möglich, so Kachelmann in einem Kommentar für die Berliner Zeitung. „Das weiß man nicht, zwischen 18 und 00 Uhr sind auch starke Gewitter möglich. Aber man weiß eben jetzt noch nicht, ob zufällig Berlin getroffen wird oder Teile davon.“