Berlin - Es war ein Gewitter der Superlative, das Hunderttausende Berliner in der Nacht zu Sonntag aus dem Schlaf riss: Taghell waren die Blitze, die im Sekundentakt die Straßen erleuchteten, der Donner klang wie Kanonenschläge. Anders als in der Nacht zum Sonnabend, als vor allem der Norden Berlins betroffen waren, zog das Gewitter am Sonntag über das ganze Stadtgebiet.

Ob in Friedrichshain, Steglitz oder Köpenick – überall blitzte und donnerte es ununterbrochen. Wie stark das Unwetter war, konnte Stephan Thern am Sonntagmittag ganz genau erklären. Thern ist Elektrotechniker und Projektleiter von BLIDS, einem Blitz-Informationsdienst von Siemens mit Sitz in Karlsruhe, das über ein Messnetz in ganz Europa verfügt und Blitze zählt.

Therns Fazit: „Allein zwischen 2.30 Uhr und 3 Uhr hat es in Berlin 3000 Mal geblitzt.“ Ganz besonders stark betroffen sei Mitte gewesen, also die Ost-City. Die Hälfte aller Blitze, so der Elektrotechniker, seien Blitze zwischen Wolken gewesen, der Rest sei im Erdboden eingeschlagen: Also etwa 1500 – fast jede Sekunde einer.

„Das ist erstaunlich viel in so kurzer Zeit“, sagte Thern. In der Nacht zu Sonnabend habe BLIDS „nur“ 1200 Blitze gezählt, die meisten allerdings im Norden Berlins. Dieses Unwetter, das von einem Sturm begleitet wurde, hatte im Norden auch die größte Kraft entfaltet und die meisten Schäden angerichtet. In der Nacht zu Sonntag blieb es hingegen bei starkem Regen – es gab vor allem Wasserschäden.

Da Blitze elektromagnetische Wellen aussenden und diese noch in mehreren 100 Kilometern Entfernung messbar sind, ist es vergleichsweise einfach, sie zu messen. „Wir erfassen die Blitze mit Antennen“, sagt Thern. An der Ausbreitung der Wellen könne man dann genau orten, wo der Blitz niedergegangen sei.

Die Angaben seien wichtig für Energieversorger und Wetterdienste, aber auch für Versicherungen und Telekommunikationsunternehmen. „Wenn technische Geräte kaputt gehen, kann dann geklärt werden, ob ein Blitzschlag daran schuld war oder doch etwas anderes.“ Dass ein Elektrotechniker das Projekt leitet und klein Meteorologe, begründet Thern mit dem Wesen des Blitzes. „Ein Blitz ist zwar eine Wettererscheinung, aber ein Strom-Ereignis – also was rein Elektrisches.“