Berlin - Am Nachmittag zog ein Unwetter über Berlin - mit Blitzen, Starkregen und Donner. Der Flugverkehr an den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel war eingeschränkt, wie ein Sprecher der Flughäfen Berlin Brandenburg GmbH sagte. Einige Maschinen blieben im Regen am Boden.

In Tegel lief der Betrieb ab 15.40 Uhr wieder regulär, wie der Flughafen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte; auch in Schönefeld normalisierte er sich nach kurzer Zeit. 

Die Bodenabfertigung an beiden Airports war zwischenzeitlich eingestellt. Maschinen, die am Flughafen Tegel bereits abgefertigt waren, konnte starten und auch Flugzeuge im Landeanflug auf Berlin wie geplant landen. 

Unwetter: Viele Einsätze für die Berliner Feuerwehr

Die Berliner Feuerwehr rief um 14.48 Uhr den Ausnahmezustand für das Stadtgebiet aus. Gegen 15.30 twitterte die Feuerwehr, dass es bislang etwa 40 Einsätze durch das Unwetter gegeben habe: 

Eine halbe Stunde später waren es bereits 115 Einsätze, gegen 17 Uhr, als sich Lage wieder entspannte, 130. 

Die Rettungskräfte hatten viel zu tun: In Gesundbrunnen in der Wilhelm-Kuhr-Straße gab es nach Angaben der Feuerwehr einen Wohnungsbrand in einem Seniorenheim, ausgelöst vermutlich durch einen Blitzeinschlag. Es brannte Gerümpel im Dachgeschoss. Die Feuerwehr rettete zwei Bewohner. 

In der Birkbuschstraße in Steglitz waren mehrere Bäume umgestürzt. Auch in Pankow richtete das Gewitter Schäden an - ein Baum stürzte in der Heynstraße auf ein Auto.

In der Nussbaumallee in Westend und der Obstallee in Spandau drohten Bäume umzustürzen. Auch in Friedrichshain und Plänerwald gab es umgestürzte Bäume.

In Kreuzberg stürzte in der Möckernstraße ein Baum auf einen fahrenden Kleintransporter. Der Fahrer blieb unverletzt. Die Feuerwehr musste auch nach Neukölln ausrücken.

Nahverkehr in Berlin beeinträchtigt

Die S-Bahnlinie S5 war für etwa eine halbe Stunde zwischen Spandau und Pichelsberg wegen eines umgestürzten Baumes unterbrochen. Das teilte die Bundespolizei via Twitter mit. Auch mehrere Buslinien waren durch das Unwetter beeinträchtigt. Auch die S3 war betroffen: Bei Karlshorst stürzte ein Baum auf die Gleise und beschädigte die Stromschiene. Die S-Bahn bat Fahrgäste, auf Busse auszuweichen. 

Ebenso stürzte ein Baum auf die Gleise der U-Bahnline 2 zwischen Ruhleben und Olympiastadion. Sie war für längere Zeit unterbrochen. 

Mehrere ICE-Strecken durch Unwetter unterbrochen

Zuvor hatten umgestürzte Bäume im Norden beinah alle ICE-Strecken - auch nach Berlin - lahmgelegt, wie eine Bahnsprecherin in Berlin berichtete. 

Die Strecken von Hannover und Bremen nach Hamburg bleiben voraussichtlich bis zum Freitagmorgen gesperrt, wie die Bahn mitteilte. An mehreren Streckenabschnitten blockierten dort entwurzelte Bäume die Gleise oder hatten die Oberleitung beschädigt. In Hamburg, Hannover, Bremen und Kassel habe die Bahn deshalb Züge mit Schlafwagen bereitgestellt, damit gestrandete Fahrgäste die Nacht dort verbringen könnten. Wegen des Unwetters seien außerdem im Großraum Magdeburg mehrere Strecken gesperrt.

Die Strecke Hamburg-Berlin konnte dagegen wieder freigegeben werden.

Viele Feuerwehreinsätze nach Unwettern in Brandenburg

Das Unwetter hat auch Brandenburgs Feuerwehren mehr als 450 Einsätze beschert. Schwerpunkt war mit 250 Einsätzen der Bereich der Regionalleitstelle in Brandenburg/Havel. Am häufigsten seien abgeknickte Zweige und Äste sowie umgestürzte Bäume gemeldet worden, sagte der Lagedienstführer.

Besonders oft mussten die Wehren in die südlichen Bereiche der Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming ausrücken. „Wir ertrinken in Einsätzen“, stellte der Lagedienstführer am Nachmittag fest. Etwa 250 Fahrzeuge waren zeitweise im Bereich der Regionalleitstelle unterwegs.
Das Gewitter sei von Nordwesten bis nach Potsdam gezogen, hieß es von der Regionalleitstelle Nordwest. Der komplette Bereich von der Prignitz bis in die Landeshauptstadt war demzufolge gleichermaßen betroffen; insgesamt 172 Einsätze registrierte die Feuerwehr. Es habe zahlreiche Notrufe gegeben, weil Brandmeldeanlagen wegen des Gewitters ausgelöst worden seien.

In Nauen (Havelland) durchbohrte ein Ast die Frontscheibe eines Autos; zwei Erwachsene und ein Kind kamen verletzt ins Krankenhaus. Bei Dallgow-Döberitz (Havelland) wurde die Bahnstrecke zwischen Berlin und Stendal gesperrt, weil ein Baum die Oberleitung heruntergerissen hatte. Am frühen Abend sollten die Züge wieder fahren. In der Lausitz gab es am Nachmittag 19 witterungsbedingte Feuerwehreinsätze. Bäume fielen auf Straßen und Fahrzeuge, wie der Lagedienstführer berichtete. In Zeuthen (Dahme-Spreewald) wurde ein Mensch im Auto verletzt.

Der Nordosten des Landes war hingegen von dem Unwetter kaum betroffen: In den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Uckermark wurden ganze vier Feuerwehreinsätze im Zusammenhang mit Bäumen registriert.

Schlossgarten Charlottenburg wegen Unwetterschäden geschlossen

Nach dem Unwetter bleibt der Schlossgarten Charlottenburg wegen Schäden und den notwendigen Aufräumarbeiten bis einschließlich Freitag geschlossen. Im Park hätten vielfach Kronen und Geäst von Bäumen gelitten, sagte ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Außerdem müsse überprüft werden, ob die Bäume im Park stabil sind. Aus diesem Grund sind auch der Neue Pavillon, das Belvedere und das Mausoleum im Park nicht zugänglich. Das Schloss Charlottenburg ist hingegen weiter für den Besucherverkehr geöffnet.

Tornado in Hamburg 

In Hamburg hatte es am Mittag einen Tornado gegeben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtete, Meteorologen der Luftfahrtberatung hätten den typischen „Luftschlauch“ um 11.37 Uhr etwa zehn Kilometer vom Flughafen entfernt gesichtet. Der DWD-Tornado-Beauftragte Andreas Friedrich sagte, es habe sich allerdings um einen schwachen und nur kurzlebigen Tornado von wenigen Minuten gehandelt. Der Sturm zudem nur kurz „Bodenkontakt“ hatte - daher seien die Auswirkungen wohl nur gering. Die Feuerwehr Hamburg schrieb auf Twitter, man habe keine eigenen Erkenntnisse über einen solchen Wirbelsturm.

Ein heftiger Sturm hat in Norddeutschland mindestens einen Menschen getötet. Der 50-Jährige wurde in der Nähe des niedersächsischen Uelzen in einem Auto von einem herabstürzenden Baum erschlagen.

Unwetter: Was ist mit dem Depeche-Mode-Konzert in Berlin?

Dominik Jung hat keine guten Nachrichten für Depeche-Mode-Fans: Der Wettermann rechnet damit, dass ab 19 Uhr das Gewitterrisiko in Berlin stark anwächst: "Dann ist dort Potenzial", so Jung zur Berliner Zeitung. Depeche Mode spielt aber auch bei Regen und Gewitter. Das Konzert wird trotz Unwetterwarnungen stattfinden, erklärte eine Sprecherin des Veranstalters am Donnerstag der Berliner Zeitung.

Gefahr durch Blitze

Ob sich die Himmelsschleusen wirklich während des Auftritts von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher über den Köpfen der Besucher öffnen – das ist nicht ausgemacht. Aber: "Das Konzert liegt zeitlich auf alle Fälle in der Gefahrenzone für Gewitter und auch Unwetter mit Starkregen, Sturmböen."

Schwere Unwetter bei Anreise zum Musikfestival „Hurricane“

Besonders gefährlich für die Konzertbesucher im Freien: Blitze. Übrigens ist nicht nur das Depeche Mode-Konzert betroffen, sondern auch das Hurricane Festival in Scheeßel. Wegen schwerer Unwetter hat der Veranstalter Festivalgäste gebeten, möglichst erst an diesem Freitag nach Scheeßel zu kommen. „Damit wir eine problemlose An- und Abreise ermöglichen können, möchten wir alle Besucher, die Ihre Anreise noch nicht angetreten haben, inständig darum bitten, auf eine Anreise am Freitag auszuweichen“, schrieb der Veranstalter am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite.

„Wir hatten starken Regen, einige Flächen sind in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagte Sina Klimach vom Veranstalter FKP Scorpio. Es gehe vor allem um die Parkflächen und einige Campingflächen. Wenn möglich, sollten die Besucher daher erst am Freitag anreisen. Wegen Unwetterschäden sei es auch bei Anreisenden mit dem Bahnunternehmen Metronom zu Unterbrechungen wegen Ästen auf der Oberleitung gekommen. Die Menschen, die bereits vor Ort sind, würden aber nach und nach auf die Campingplätze eingewiesen.

Das Gelände liegt in Scheeßel zwischen Bremen und Hamburg. Am Donnerstagabend sollten zum Warm-up bereits erste Künstler spielen. Am Freitag (15 Uhr) soll dann das Festival mit rund 100 Bands auf vier Bühnen starten. Zu dem dreitägigen Rock-, Independent- und Alternative-Festival werden auch dieses Jahr wieder rund 80.000 Menschen erwartet. Zeitgleich findet in Neuhausen ob Eck in Baden-Württemberg das Zwillings-Festival „Southside“ statt.

Im vergangenen Jahr war das „Hurricane“ wegen mehrerer Gewitter unterbrochen worden und fiel am Samstag wegen Dauerregens ganz aus. Am Sonntag konnte es jedoch fortgesetzt werden. Das „Southside“ musste nach heftigen Unwettern am frühen Samstagmorgen komplett ausfallen. (mit dpa)