Unwetter in Berlin: So viel Regen wie alle 100 Jahre ein Mal

Es sind die heftigsten Regenfälle seit fast 60 Jahren in Berlin. Sogar von einem einmaligen Jahrhundertereignis sprach Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. „Am schlimmsten betroffen war Wilmersdorf: Bis Donnerstagabend 19 Uhr sind dort 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – allein in sieben Stunden.“ Und der Regen soll bis Freitag andauern. Befürchtet wird, dass dort insgesamt sogar bis zu 200 Liter Regen fallen. Zum Vergleich: In ganz Berlin fallen jährlich etwa 580 Liter pro Quadratmeter.

Seit Donnerstagmittag hat es in Strömen geregnet. Die Berliner Feuerwehr rief bereits um 12.26 Uhr den Ausnahmezustand aus. Das Wasser stand in den Straßen, überschwemmte zahlreiche Keller, überflutete U-Bahnhöfe. Die Stadtautobahn A100 war teilweise gesperrt, Flüge mussten umgeleitet werden. Bis 21.30 Uhr war die Feuerwehr bereits zu mehr als 2200 Einsätzen gerufen worden, von denen 1034 witterungsbedingt waren. „Der Ausnahmezustand wird definitiv bis Freitagmorgen aufrechterhalten“, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling in der rbb-Abendschau.

Auch in Brandenburg war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Im Landkreis Oberhavel war der Notruf 112 wegen Überlastung zeitweise ausgefallen. Im Süden musste die Feuerwehr ebenfalls zu Hunderten Einsätzen ausrücken, teilte die Regionalleitstelle Lausitz mit. Vor allem überflutete Keller und Tiefgaragen mussten die Feuerwehrleute auspumpen. Besonders schlimm betroffen war die Region in und um Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin, aber auch weiter im Süden – in Vetschau, Lübbenau, Calau, Spremberg, Burg und Drebkau – mussten die Einwohner mit immensen Wassermassen kämpfen. Auch aus dem Norden Deutschlands wurden heftige Regenfälle gemeldet.

„Dieser Donnerstag wird künftig einige Regenstatistiken anführen“, sagte Stephan Natz, der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. So ein Regenfall wie in Wilmersdorf kommt statistisch gesehen nur ein Mal in 100 Jahren vor. Am zweitstärksten habe es in Spandau geregnet. Bis 19 Uhr sind Natz zufolge dort über 80 Liter Regen gefallen.

Haus in Charlottenburg evakuiert

Den Westteil der Stadt hat es besonders schlimm erwischt. In Charlottenburg drohte sogar ein Haus in der Bismarckstraße/ Ecke Suarezstraße einzustürzen. Denn durch den andauernden Regen wurde ein Gehweg unterspült, was die Statik des Hauses gefährdete. Das Gebäude sei evakuiert worden, wie ein Polizeisprecher berichtete. Im Südosten Berlins fiel Natz zufolge wesentlich weniger Regen. „In Friedrichshagen wurden zum Beispiel nur 30 Liter gemessen.“

Die meisten Notrufe bei der Berliner Feuerwehr habe es wegen Wasser- und Sturmschäden gegeben, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling. Bislang seien keine Menschen zu Schaden gekommen. Die Feuerwehrleute arbeiten am Rande ihrer Leistungsfähigkeit, sagte Gräfling weiter. Zusätzlich zu den Berufsfeuerwehrleuten habe man 14 Freiwillige Feuerwehreinheiten alarmiert. Gräfling riet Autofahrern, besonders vorsichtig zu fahren und bat darum, wenn möglich zu Hause zu bleiben.

Der Regen verursachte stadtweit ein Verkehrschaos. Die Stadtautobahn A100 war auf Höhe des Funkturms wegen Überschwemmung in Richtung Süden für drei Stunden voll gesperrt. Selbst nach Aufhebung der Sperrung gab es Stau und stockenden Verkehr.

Auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld landeten und starteten viele Flieger mit Verspätung. Sechs Maschinen, die in Tegel landen sollten, seien nach Schönefeld umgeleitet worden, sagte ein Sprecher. Auch der Berliner Nahverkehr war von dem heftigem Regen betroffen. Am Bahnhof Zoo regnete es durch die Decke auf die Bahngleise.

Der U-Bahnhof Spichernstraße in Wilmersdorf wurde wegen Überschwemmung gesperrt, wie die Berliner Verkehrsbetriebe mitteilten. Wasser war bis auf den Bahnsteig hinuntergelaufen. Auch andere U-Bahnhöfe wie der Walther-Schreiber-Platz wurden überflutet, der Verkehr dort  musste unterbrochen werden. Auf einer S-Bahnstrecke im Norden der Stadt musste die Feuerwehr  einen umgestürzten Baum von den Gleis räumen. Die Deutsche Bahn berichtete zudem von Behinderungen im Fernverkehr im Großraum Berlin.