Auf brachliegenden Flächen, alten Sportplätzen und in freien Ecken in Berlin sind zahlreiche Gemeinschaftsgärten entstanden. Doch es gibt kein Konzept für Urban Gardening - es ist oftmals ein Gärtnern auf Zeit. Droht etwa dem „Himmelbeet“ in Wedding das Aus?

Hinter einem alten Metalltor in Wedding grünt es: Schnittlauch und Radieschen, Mangold und Eichblattsalat sprießen in den Hochbeeten aus Paletten. Die Gemeinschaftsgärten in Berlin haben ihre Saison begonnen, so auch das „Himmelbeet“. Auf einem früheren Bolzplatz an der Ruheplatzstraße 12 hat der urbane Garten seit sechs Jahren sein Zuhause.

Urban Gardening – Obst und Gemüse anpflanzen mitten in der Großstadt – hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Berlin etabliert. Zu den wohl bekanntesten Beispielen gehören der Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Kreuzberg und der Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld.

„Wir sind ein Anlaufpunkt für die Anwohner geworden“, sagt Sonja Rosenthal, Sprecherin von „Himmelbeet“. Dort, wo vor der Gründung im Jahr 2012 eine brachliegende Fläche war, stehen heute 300 Pachtbeete, die Nachbarn, Familien und WGs bewirtschaften. 30 Beete sind an soziale Initiativen vergeben. Zudem betreibt das Team ein Café und macht Gartenbau-Projekte in Nachbarschaften.

Soziales Projekt soll Urban Garden verdrängen

Doch bald könnte auf dem Platz Fußball gespielt werden. Das gemeinnützige Projekt des Vereins „Amandla Edu Football“ und der Oliver-Kahn-Stiftung soll sich dort ansiedeln. Unterstützt vom Bezirk Mitte sollen Fußballplätze und Bildungszentren für benachteiligte Kinder entstehen. „Das Projekt hat seine Berechtigung, aber es kann nicht sein, dass ein soziales Projekt ein anderes verdrängt“, sagt Sonja Rosenthal. Diskussionen gebe es seit drei Jahren. Nun stehe fest: Im November 2018 geht die Fläche an Amandla über.

Problematik liege in der Zwischennutzung

Das Problem sei, sagt Rosenthal, dass der Garten seit seiner Gründung nur zur Zwischennutzung auf den Platz durfte. Das Grundstück sei vom Land als Sportfläche vorbehalten - ähnliches gibt es auch für Schulen und Kitas, nicht aber für Projekte wie Gemeinschaftsgärten. „Wir wollen, dass sich Politik und Verwaltung damit auseinandersetzen. Die wissen nichts mit uns anzufangen“, sagt Rosenthal. „Denn was wir hier machen, gehört auf eine öffentliche Fläche.“

Derzeit ist der Umgang der Bezirke mit den Gärten unterschiedlich: Die Verantwortlichen des Prinzessinnengartens in Kreuzberg pachten das Land vom Bezirk. Die Miete zahlen sie von den Einnahmen des Restaurants und des Verkaufs von Obst und Gemüse. Der Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld hingegen hat einen dreijährigen Nutzungsvertrag mit der Grün Berlin GmbH. Die Gärtner müssen zwar nichts zahlen, haben aber weniger Rechte als übliche Pächter.

Ebenfalls ist nicht klar, wie viele Gemeinschaftsgärten es in Berlin gibt. Laut einer Übersicht des Landes sind es derzeit 28 Gärten. Ganz vollständig ist die Liste aber nicht - Zwischennutzungen wie das „Himmelbeet“ oder die „Prachttomate“ in Neukölln sind dort nicht verzeichnet.

Forderungen nach einem gesamtstädtischen Konzept

Der uneinheitliche Umgang könnte bald ein Ende haben. In einem Antrag beim Senat fordern die Abgeordneten, bis zum 30. Juni ein gesamtstädtisches Konzept für urbane Gärten zu entwickeln. Zudem soll ein Experte benannt werden, der zwischen Gärtnern und Verwaltung vermittelt.

Für das „Himmelbeet“ steht ebenfalls im Juni eine Entscheidung an. Aktuell arbeiten der Bezirk, der Garten und Amandla an einer Kooperationsvereinbarung. „Wir erhoffen uns, dass wir so lange auf der Fläche bleiben können, bis tatsächlich gebaut wird - im besten Fall länger als November“, sagt Sonja Rosenthal. Eine Sprecherin des Bezirks Mitte bestätigt: „Das Nutzungsende ist abhängig von Amandla und dem noch nicht eingereichten Bauantrag.“

Bis dahin wollen die Gärtner eine neue, dauerhafte Bleibe finden. Das Bezirksamt prüft in einer Projektgruppe derzeit, ob es eine Ersatzfläche in der Nähe des Leopoldplatzes gibt. Die Alternative wäre, dass das „Himmelbeet“ zweimal umzieht - zunächst auf eine Übergangsfläche. Eine Pause zu machen sei nicht möglich. „Damit würden unsere Projektförderungen und Einnahmen wegfallen“, sagt Rosenthal. Das wäre dann das Ende fürs „Himmelbeet“.

(dpa)