Berlin - Als „Nomaden“ haben Marco Clausen und Robert Shaw den Prinzessinengarten auf einer Kreuzberger Brachfläche seit 2009 aufgebaut. Die Idee war es, einen Garten anzulegen, der jederzeit wieder umziehen kann. Jetzt befürchten die beiden sesshaft gewordenen Gärtner mit dem Auslaufen des Mietvertrags im Herbst 2013 ein Ende des Projekts. Verpflanzen lasse sich der Garten jetzt nicht mehr, betonte Clausen: „Er ist kiezbasiert und lebt von den sozialen Beziehungen vor Ort“. Das Grundstück soll verkauft werden.

Eine Weiternutzung durch die Gärtner sei aber nicht ausgeschlossen, sagte die Sprecherin des Liegenschaftsfonds, Irina Dähne. Kritik am geplanten Verkauf kam von der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Langer Tag der Stadtnatur am Wochenende

Der Garten gehört zu einem von 150 grünen Orten in der Stadt, die sich an diesem Wochenende am Langen Tag der Stadtnatur präsentieren. Er hat sich zu einem erfolgreichen Vorzeigeprojekt für urbanes Gärtnern entwickelt. In Bäckerkisten, Reissäcken und Tetrapacks wachsen auf dem rund 5.500 Quadratmeter großen Areal 400 verschiedene Pflanzensorten. Rund 1.000 Menschen engagieren sich jährlich. Nach Angaben der Betreiber, die die gemeinnützige Nomadisch Grün GmbH gegründet haben, kommen zudem jährlich rund 40.000 Besucher aus dem In- und Ausland.

Clausen will, dass der Garten ein Modell für andere Projekte wird. Er brauche dazu einen langfristigem Mietvertrag. Der Prinzessinnengarten verbinde soziales und kulturelles Engagement und habe einen positiven Einfluss auf die Kiezentwicklung inmitten eines sozialen Brennpunkts, unterstreicht auch Antje Kapek, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen. Mit dem geplanten Verkauf setze der Senat falsche Prioritäten.

„Es gibt verschiedene Varianten“

„Die Betreiber wussten von Anfang an, dass sie nur Zwischennutzer sind. Uns hat damals bei der Vergabe der Fläche der nomadische Charakter überzeugt“, betonte die Liegenschaftsfonds-Sprecherin Dähne. Welche Nutzungskonzepte es für die Zukunft gibt, werde derzeit mit der Bezirksverwaltung diskutiert. „Es gibt verschiedene Varianten“, sagte Dähne, ohne Details zu nennen.

Städtisches Gärtnern ist diesmal Themenschwerpunkt beim Langen Tag der Stadtnatur der Stiftung Naturschutz Berlin. Auch der Landschaftspflegehof in Tempelhof öffnet seine Türen. Das einst für einen Friedhof vorgesehene Gelände ist heute eine ökologische Gartenanlage für sozial Benachteiligte. Statt Gartenzäunen, Vereinshaus und Strom gibt es dort wilde Hecken, einen Weidendom und Handrasenmäher. In Charlottenburg-Wilmersdorf stellt sich die 1921 gegründete Gartenarbeitsschule „Ilse Demme“ vor, die jährlich von rund 25 000 Kindern besucht und bewirtschaftet wird. (dpa)