Urbanes Forschungslabor: Guggenheim zieht zum Pfefferberg

Berlin - Nach heftigem Widerstand gegen den zunächst geplanten Standort Kreuzberg wird die Guggenheim-Stiftung ihr temporäres „Forschungslabor“ zum Thema Stadtentwicklung nun in Prenzlauer Berg errichten. Die Kuratoren haben beschlossen, die 30 Meter lange Freilufthalle auf dem Pfefferberg-Gelände an der Schönhauser Allee aufzubauen. Dort sollen vor allem Diskussionsveranstaltungen stattfinden. Das Projekt startet am 15. Juni und damit drei Wochen später als geplant. Am 29. Juli wird das „Lab“ – es zieht über sechs Jahre durch neun Städte – bereits wieder abgebaut. Nächste Station ist Mumbai.

„Die Verlegung des Lab war keine einfache Entscheidung“, sagte Richard Armstrong, Direktor der Guggenheim-Stiftung, in einer Mitteilung von Dienstag. Man sei froh, so schnell eine geeignete Alternative gefunden zu haben. Das Kulturzentrum am Pfefferberg mit Ateliers, Galerien und Restaurants war im vergangenen Jahr schon einmal als Standort im Gespräch, schied aber gegen das größere Grundstück in Kreuzberg aus. Armstrong bedankte sich ausdrücklich beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie bei den Bezirksbürgermeistern von Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg für ihre Unterstützung. Berlin nannte er eine großartige Stadt. Kuratorin Maria Nicanor begründete die Absage von Kreuzberg im Gespräch mit der Berliner Zeitung damit, dass das Projekt nicht politisch instrumentalisiert werden sollte.

Wowereit zog das Projekt an sich

Wowereit begrüßte die Entscheidung. Es handele sich um ein hochinteressantes Projekt, das die Diskussion über die Zukunft der Metropolen voranbringen wolle. Dass es in Berlin Station macht, zeige die Attraktivität der Stadt für kreative Ideen. Die Beteiligung von Bürgern mit unterschiedlichen Positionen sei erwünscht. „Und wir müssen denjenigen entgegengetreten, die Veränderung und Entwicklung generell ablehnen und sich obendrein noch selbst zu Schiedsrichtern aufschwingen wollen, was diskutiert werden darf und was nicht“, sagte Wowereit.

Zwischenzeitlich sollte das vom bayerischen Autokonzern BMW gesponserte „Lab“ auf eine Brache an der Schlesischen Straße in Kreuzberg ziehen. Gruppen aus dem Wrangelkiez hatten aber dagegen protestiert. Sie kündigten Störungen und Besetzungen an, auch Sachbeschädigungen schlossen sie nicht aus. Die Polizei empfahl Guggenheim, einen Wachschutz zu engagieren. Dann zog Guggenheim sich zurück.

Um das Projekt in Berlin zu halten, hatte Wowereit die Planungen an sich gezogen. Die Gespräche zwischen Senatskanzlei und den Kuratoren in New York fanden unter strenger Geheimhaltung statt. Dem Vernehmen nach waren die Veranstalter zeitweise skeptisch, ob sie überhaupt noch nach Berlin kommen sollen. Als mögliche Standorte hatten sich auch andere Städte in Deutschland angeboten, darunter Potsdam. Ein Stadtsprecher von Potsdam bedauerte die Entscheidung.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) reagierte erfreut. „Die Stadt zeigt, das sie offen für Neues ist“, sagte er. Vom Standort verspreche er sich spannende Impulse. Im Prenzlauer Berg ließen sich positive und negative Folgen von Stadtaufwertung beobachten. „Das ist ein guter Ausgangspunkt für eine offene und ehrliche Diskussion“, sagte Henkel. Auch die Grünen sind zufrieden. „Mit dem Projekt rettet man nicht die Welt, aber Dialog ist besser als Konfrontation“, sagte der Abgeordnete Andreas Otto. Die Polizei bekräftigte ihre Absicht, das Projekt zu schützen.