Im Fall des russlanddeutschen Mädchens Lisa aus Marzahn ist der 24-jährige Ismet S. zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Tiergarten sprach ihn am Dienstag des schweren sexuellen Missbrauchs sowie der Herstellung von Kinderpornografie schuldig, wie eine Sprecherin mitteilte. Der Prozess war zum Schutz der heute 15-Jährigen nicht öffentlich.

Der Fall hatte vor anderthalb Jahren bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und auch international Wellen geschlagen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach sogar von Vertuschung durch deutsche Behörden. 

Vergewaltigung erfunden

Im Januar 2016 war die damals 13-jährige Lisa aus Marzahn auf dem Weg zur Schule verschwunden. Noch am Abend klebte die Familie des Kindes Suchplakate. Als das Mädchen nach fast drei Tagen wieder bei seiner Familie auftauchte, sprach es von Entführung und Vergewaltigung. Im Internet kursierten Gerüchte, dass das Kind von Migranten vergewaltigt worden sei. Es gab Demonstrationen von zahlreichen Russlanddeutschen sowie von NPD und Pegida-Anhängern.

Obwohl die Polizei schnell herausfand, dass an der Geschichte nichts stimmte und die Gerüchte über eine Vergewaltigung immer wieder dementierte, nahmen die Proteste zu. Lisa gab schließlich zu, sie habe Schulprobleme gehabt und sei deswegen bei einem 19-jährigen Freund untergetaucht.

Einvernehmlicher Sex

Bei ihren Ermittlungen stießen die Fahnder auch auf Ismet S. Der 24-Jährige hatte mit Lisa sexuellen Kontakt und filmte dies mit einem Handy - im Wissen, dass das Mädchen erst 13 Jahre alt war. Zwar hatte es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, doch weil Lisa noch keine 14 Jahre alt war, machte sich Ismet S. dadurch strafbar. (BLZ/dpa)