Urteil im Missbrauchsprozess: Haftstrafe für pädophilen Helios-Pfleger

Berlin - Der heute 29-jährige Michael N. hatte im Juli, August und November 2010 als Pfleger auf der Kinderintensivstation des Krankenhauses Jungen im Alter von sechs, acht und neun Jahren sexuell missbraucht. Die Eltern berichteten von Spätfolgen für ihre Söhne. So habe der Sechsjährige Essstörungen und einen Waschzwang entwickelt (so wusch er sich die Hände, bis sie bluteten), bis heute habe er Alpträume und große Angst vor Ärzten.

Im Prozess hatte der Pfleger die Taten gestanden und gesagt, er bereue sie. Er berichtete von seiner Pädophilie, unter der er seit Jahren leide, und dass sie sich speziell auf kleine Jungs richte. Aus Angst und Scham habe er sich nie offenbart.

Richter Uwe Nötzel sprach von einem „Schicksalspaket“, mit dem der 29-Jährige „durch die Welt gehen“ müsse. Letztlich sah er den Angeklagten als vermindert schuldfähig an. So war er durch seine pädophile Neigung – der Richter sprach von „Krankheit“ – in seinem „Hemmungsvermögen stark beeinträchtigt“. Hinzu komme, dass er zum Tatzeitpunkt unter Medikamenteneinfluss gestanden habe. Nach eigenen Angaben hatte N. das Schmerzmittel genommen, gerade um seinen Sexualtrieb zu dämpfen.

Verteidiger Ulrich Dost zeigte sich „sehr erfreut“ über das Urteil. Sein Mandant wisse, dass er seine sexuellen Probleme in den Griff bekommen müsse. „Jetzt gilt: Du darfst nicht übergriffig werden.“

Bisher ist unklar, ob Michael N. haftfähig ist, er also jemals ins Gefängnis muss. N. hatte sich nach seiner Festnahme umbringen wollen. So hatte er sich bei einem Kastrationsversuch einen Hoden abgetrennt. Seitdem ist er hüftabwärts gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Ob er je wieder laufen kann, ist ungewiss. Für den Richter Anlass, die staatsanwaltschaftliche Forderung nach fünf Jahren Berufsverbot abzuweisen. Michael N. könne wegen seines Zustands ohnehin nie wieder als Krankenpfleger arbeiten. Seine naturgegebene sexuelle Neigung aber wird nicht verschwunden sein.