Berlin - Berlin ist das Bundesland mit der niedrigsten Aufklärungsquote bei Straftaten. Doch Zehntausende DNA-Proben warten darauf, forensisch ausgewertet zu werden, weshalb die Polizei seit Jahren die Hilfe der Charité in Anspruch nehmen muss.

Zum Entsetzen von Staatsanwälten und Kripo-Ermittlern hat die Charité ihre Abteilung Forensische Genetik geschlossen. Ein privates Genlabor hatte gegen die bisherige Vergabepraxis des Landeskriminalamtes per Kooperationsvereinbarung geklagt. Es zog bis vor das Kammergericht – und gewann.

Vor den Gerichten zog das Land Berlin bis zur letzten Instanz durch. Man war sich offenbar ziemlich sicher. Ansonsten hätten – da muss man Benedikt Lux von den Grünen recht geben – sämtliche Alarmglocken schrillen müssen. Ein Plan B für den Fall einer Niederlage vor Gericht kam den Juristen der Innenverwaltung wohl nicht in den Sinn.

Oder warum wurde nicht früher darüber nachgedacht, die gesetzliche Grundlage zu ändern, damit die Kooperation mit der landeseigenen Charité in bewährter Qualität fortgeführt werden kann? Genug Rechtsgelehrte arbeiten ja in den Häusern von Innensenator Andreas Geisel, Justizsenator Dirk Behrendt und des Regierenden Bürgermeisters und Wissenschaftssenators Michael Müller.

Die Politik des Senats, solche Aufträge an die Charité zu geben, weil dort das Personal nicht zu Dumpinglöhnen arbeitet, klingt edel und ehrenwert. Eine andere Sache ist es, ob Tausende hochsensible DNA-Datensätze aus Straftaten in privaten Laboren liegen sollten, weil die Firmen vor allem eines sind: billig. Deshalb wird es Zeit, dass die Polizei diese Aufgabe komplett übernimmt und mit solchen Kapazitäten ausgestattet wird, dass ein DNA-Datensatz bis zur Aufklärung eines Verbrechens nicht das Haus verlassen muss.