Sie sind nicht die einzigen Berliner, die unter dem Lärm von Zügen leiden. Doch im Gegensatz zu den vielen tausend anderen Bahn-Anwohnern nehmen Barbara Bartsch, Sonja Geduhn, Christian Frick und Klaus Matil aus Lichterfelde ihr Schicksal nicht hin. Sie sind vor das Verwaltungsgericht Berlin gezogen, damit das Eisenbahn-Bundesamt die Deutsche Bahn (DB) zu nachträglichem Schallschutz verpflichtet. Doch am Donnerstag wies das Gericht alle vier Klagen ab.

Dabei ist das Thema Lärm dem Vorsitzenden Richter Matthias Schubert auch als Bürger nicht fremd. Als Sprecher eines Aktionsbündnisses setzt er sich dafür ein, dass am Flughafen BER von 22 bis 6 Uhr Ruhe herrscht. Er hörte aufmerksam zu, als Matil erzählte.

„Wir wollen endlich wieder ruhig schlafen“, sagte der 77-jährige pensionierte Kaufmann. Er hat 1964 ein Reihenhaus am Westfalenring bezogen. Damals stand die Mauer noch, und die Bahntrasse war Wald. Doch seit 2005 verkehrt 70 Meter von Matils Haus entfernt die Teltower S-Bahn. 2006 kamen nebenan Fern- und Regionalzüge dazu. Die Belastung sei immer größer geworden. So fahre die S-Bahn heute nicht mehr alle 20, sondern alle zehn Minuten.

Erneute Klagen sind möglich

Auf eine Schallschutzwand hätten die Anlieger westlich der Trasse keinen Anspruch, so DB-Anwalt Matthias Vogt. Gutachten ergaben zwar, dass der Lärm größer ist als in der Prognose für 2010. Allerdings betrage der Zuwachs maximal 1,6 Dezibel, was nicht reiche, um zusätzlichen Schutz zu fordern. Auch die anderen Sorgen wurden weggewischt. Nachts abgestellte S-Bahnen machen Krach? Juristisch sei das kein Verkehrslärm – und damit nicht zu berücksichtigen. Schienenschleifzugfahrten, bislang die einzige Schallschutzmaßnahme, stören den Schlaf? Dafür gelte dasselbe.

„Der Lärm müsste um mindestens 2,1 Dezibel zugenommen haben“, pflichtete Schubert bei. Selbst wenn der Vergleich nicht von der Prognose, sondern vom tatsächlichen Lärm ausginge, würde diese Schwelle wohl nicht überschritten. Den Bürgern stehe frei, erneut zu klagen – sobald auch noch der BER-Shuttle die Anhalter Bahn befährt.