Wegen einer Messerattacke auf einen Zivilbeamten in Berlin-Schöneberg muss ein 21-Jähriger für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Schüler habe auf einen 39 Jahre alten Polizisten eingestochen, der einen Streit zwischen drei jungen Männern auf der Straße schlichten wollte, begründete eine Jugendstrafkammer des Landgerichts am Dienstag. Das Opfer sei durch einen wuchtigen Stich in die Brust lebensbedrohlich getroffen worden. Der Angeklagte wurde der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen.

Angeklagter will Zivilpolizisten nicht erkannt haben

Der Schüler war am Abend des 16. Oktober 2016 mit einem Freund in einem Auto unterwegs, als es in der Nollendorfstraße zu einem Streit mit einem betrunkenen Mann kam. Weil der 25-Jährige die Fahrbahn blockierte, sei der Angeklagte ausgestiegen, hieß es weiter im Urteil. „Es kam zu gegenseitigen Beschimpfungen und Attacken.“ Der 39-jährige Beamter und ein weiterer Zivilpolizist seien auf die Auseinandersetzung aufmerksam geworden. „Sie gaben sich laut als Polizisten zu erkennen und liefen auf die Männer zu.“
Der 21-Jährige hatte erklärt, er habe das spätere Opfer nicht als Beamten wahrgenommen und für einen weiteren Gegner gehalten. „Ich stand unter Adrenalin.“ Die Rufe „Polizei, Polizei!“ habe er nicht gehört. Das Gericht wertete dies als Schutzbehauptung.

Dreieinhalb Jahre wegen versuchten Totschlags gefordert

Der Staatsanwalt hatte eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren wegen versuchten Totschlags gefordert. Die Richter gingen jedoch davon aus, dass der Angeklagte von dem Versuch „straffrei zurückgetreten“ sei. Er habe die Tat - „über sich selbst erschrocken“ - nach einem Stich abgebrochen. Die beiden Verteidiger hatten keinen konkreten Strafantrag gestellt. (dpa)