Berlin - Der US-Finanzinvestor Lone Star wird auf einen Schlag zum Großeigentümer am Berliner Markt für Gewerbeimmobilien. Vom Bund erwirbt er dessen Tochter TLG Immobilien und damit prominente Gebäude aus dem Bestand der ehemaligen Treuhand. Dazu gehören das frühere Haus der Elektroindustrie und das Kino Cubix am Alexanderplatz in Mitte, der Hotelkomplex „Welle“ in der Karl-Liebknecht-Straße sowie auch das dortige Haus der Stasi-Unterlagenbehörde.

Einzelhändler, Restaurantbetreiber und andere Gewerbetreibende hätten nichts zu befürchten, hieß es am Mittwoch im Bundesfinanzministerium. Die Mietverträge behielten ihre Gültigkeit. Zudem habe Lone Star Interesse bekundet, das Unternehmen TLG als Plattform für einen Ausbau seiner Aktivitäten in Deutschland zu nutzen. „Mit der Privatisierung schaffen wir Freiräume für Investitionen und stärken die regionalen ostdeutschen Wirtschaftsstandorte“, erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Mit der Veräußerung für 1,1 Milliarden Euro schließt der Bund die größte Privatisierung seit fünf Jahren ab. Im November hatte er bereits die gut 11 000 Wohnungen der TLG für knapp eine halbe Milliarde Euro an den Hamburger Immobilienkonzern TAG verkauft. Betroffen waren Mieter in Rostock, Halle und im Berliner Umland, kaum aber in Berlin selbst. Anders sieht es bei den Gewerbeimmobilien aus, die jetzt privatisiert werden. Hier gehört die TLG zu den großen Spielern in Berlin. Der Eigentümer kontrolliert in der Stadt rund 270 Läden, 75 Büroobjekte sowie Hotels und Seniorenheime. Schon zuvor hatte Lone Star Gebäude von der Deutschen Post erworben.

Gebäude der Deutschen Post erworben

Die schwarz-gelbe Bundesregierung setzt mit dem Deal ihre Ankündigung um, sich so weit wie möglich vom staatlichen Besitz zu trennen. Aber schon zuvor unter der Großen Koalition von Union und SPD hatte der Bund angestrebt, die Gebäude aus dem ehemaligen DDR-Vermögen abzugeben. Der Staat sei nicht der bessere Immobilienmanager, heißt es dazu im Bundesfinanzministerium. Private Eigentümerschaft habe grundsätzlich Vorrang gegenüber einer staatlichen Beteiligung.

Ein erster Privatisierungsversuch scheiterte allerdings, weil in der Finanzkrise 2008 kein Käufer die vom Bund erwarteten Beträge ausgeben wollte. Inzwischen ist der deutsche Immobilienmarkt und speziell der in Berlin in den Fokus internationaler Investoren geraten. Noch immer gelten die Preise im Vergleich zu vielen ausländischen Lagen als attraktiv. Zudem locken niedrige Zinsen und die Hoffnung auf wirtschaftliche Stabilität und sogar einen Aufschwung in Deutschland und der Region.

Finanzminister Schäuble zeigte sich zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis und sprach von einem „guten Erlös im Sinne der Steuerzahler“. Unterm Strich bleiben dem Bund allerdings nach Angaben aus Regierungskreisen nur 594 Millionen Euro. Den Unterschied zum Kaufpreis machen die Schulden der TLG aus, die der Erwerber mit übernimmt. Die Vermietung der Objekte ist für die Gesellschaft seit längerem profitabel. Da es sich überwiegend um gute Innenstadtlagen handelt, lag die Leerstandsquote bei 4,2 Prozent und damit auf einem relativ niedrigen Niveau.