Berlin - Ausnahmsweise müssen die Pferdekutschen auf dem Mittelstreifen vor der Russischen Botschaft stehen. Vor dem Hotel Adlon drängeln sich die wartenden Fahrrad-Rikschas. Für alle, die den Touristen Gutes tun wollen, ist es eng geworden. Denn der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor ist seit Freitag gesperrt.

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Gerüstbauer errichten dort zurzeit Tribünen – mit Plastiksitzen für geladene Gäste und einem Rednerpult. Dort wird US-Präsident Barack Obama am Mittwoch eine Rede halten. Gesperrt ist seit Freitag auch die Behrenstraße hinter der US-Botschaft, was zu langen Staus führt. Die Autos, die von Westen kommen und nun nicht mehr links abbiegen können, stauen sich bis weit auf die Straße des 17. Juni zurück. In der Ebertstraße hängen Schilder an den Laternenmasten: „Polizeilicher Sicherheitsbereich vom 18.06. – 19.06.2013. Abstellen und Anschließen von Zweirädern und anderen Gegenständen verboten! Diese werden kostenpflichtig entfernt.“ Die Schilder hängen dort, weil hier die Wagenkolonne des Präsidenten vorbeikommen wird, die ihn zum Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz bringt, wo er übernachten wird.

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Für US-Präsidenten gilt die allerhöchste Gefährdungsstufe. Und deshalb wird der Pariser Platz, wo die Tribünen stehen, nicht nur Sicherheitsbereich, sondern „absoluter Sicherheitsbereich“. Hier wurden schon seit Donnerstag die Abdeckungen von Gullys und Kanälen versiegelt, nachdem sie auf Bomben untersucht wurden. Die Sprengstoffsuche geht weiter. So untersuchen Polizisten mit Spürhunden am Montag unter anderem die Großbaustelle an der Ebert-, Ecke Leipziger Straße. Am Dienstag inspizieren Kletterer der Technischen Einsatzeinheit dort sogar die Kräne. Am selben Tag wird dann die Avenue Jean Mermoz auf Sprengstoff untersucht. Sie führt zum militärischen Teil des Flughafens Tegel, wo die Präsidentenmaschine Air Force One landen wird. Die Anwohner wurden von der Polizei angewiesen, am Dienstag und Mittwoch ihre Mülltonnen mindestens 30 Meter von der Fahrbahn wegzuräumen.

Rund um den Besuch von Obama werden mehrere Tausend Polizisten im Einsatz sein. Wie viele es sein werden, ist noch unklar. Wegen des Hochwassers konnten die anderen Bundesländer Berlin noch keine Zusagen machen, wie viel Unterstützung sie schicken. Die Amerikaner fliegen ihrerseits Hunderte Leute ein, darunter Agenten des Secret Service, die Obamas Personenschutz gewährleisten. Sogar eigene Autos bringt der Präsident mit. Am Montag landet eine Frachtmaschine mit den gepanzerten Cadillacs.

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Ob Obama wie sein Vorgänger George W. Bush eigene Lebensmittel mitbringt, ist bislang nicht bekannt. Der Secret Service hat bei der Sicherheit das Sagen, auch wenn die Berliner Polizei das nicht offiziell bestätigt. Er legt etwa fest, auf welchem Weg der Präsident zur Bühne schreitet. Dies war am Freitag noch nicht entschieden, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Das Bundeskriminalamt ist für den Schutz des Präsidenten innerhalb von Räumen, wie etwa dem Schloss Bellevue, zuständig. Für die Sicherheit außerhalb von Gebäuden sowie der Route der Präsidenten-Kolonne ist die Berliner Polizei verantwortlich. So postiert das Landeskriminalamt seine Präzisionsschützen dort, wo Obama ist. Um es Heckenschützen, die es auf den Gast abgesehen haben, zu erschweren, bekamen Anwohner der Avenue Jean Mermoz, des Ritz Carlton und des Pariser Platzes Post von der Polizei. Sie müssen ihre Fenster geschlossen halten, wenn Obama da ist.

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