Die Frage bleibt im Raum: Hatte der Neonazi-Spitzel Nick Greger, den das Berliner Landeskriminalamt von 2001 bis 2003 führte, Verbindung zum „Nationalsozialistischen Untergrund“? Und: Wollte er dem Terrortrio bei der Flucht nach Afrika helfen?

Frank Henkel sagt, es gebe keine V-Mann-Affäre. Doch am Montag im Innenausschuss konnten der CDU-Innensenator und sein Polizeichef Klaus Kandt die Opposition nicht vom Gegenteil überzeugen.

2009 wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Kandt und Henkel versuchten auf 120 Fragen von Grünen und Linkspartei zum Verhältnis Greger–LKA zu antworten. Einige Fragen behandelte der Ausschuss nicht öffentlich. So wurde nach Informationen der Berliner Zeitung dort bekannt, dass Greger, der nach eigenen Angaben aus der Neonazi-Szene ausgestiegen ist, im Juni 2009 vom Landgericht Dresden rechtskräftig wegen Missbrauchs eines 12-jährigen Mädchens zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das bestätigten dieser Zeitung auch weitere Ermittler aus den Sicherheitsbehörden.

Wie berichtet, hatte der 36-jährige Greger Ende der 90er-Jahre zusammen mit dem Brandenburger Neonazi Carsten S. eine Rohrbombe gebaut. Carsten S. hatte Kontakt zum NSU. Greger selbst jedoch habe keinen Bezug zum NSU gehabt, sagten Henkel und Kandt. Eine Feststellung, die bei Linken und Grünen für Empörung sorgte. „Er hat mit ihm eine Bombe gebaut!“, rief die Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann. Udo Wolf (Linke) findet die Feststellung ebenfalls skandalös: „Der kennt Carsten S. Wieso schließen Sie einen NSU-Bezug aus? Warum ist das kein Anlass, jemanden näher zu überprüfen?"

Grüne: Zusammenhänge nicht erkannt

Laut Henkel und Kandt habe nicht jedes Mitglied der rechtsextremen Szene automatisch einen NSU-Kontakt gehabt. 2003 habe es keinen Grund gegeben, in die Richtung einer Neonazi-Terrorgruppe zu ermitteln, so Kandt – was für Tumulte im Saal sorgte. „Das ist doch das Problem!“ rief Udo Wolf. Es sei überhaupt nicht in Erwägung gezogen worden, dass es ein rechtsterroristisches Milieu gegeben haben könnte. „Ihr Kernproblem ist, dass Dinge nicht zusammengedacht und Zusammenhänge nicht erkannt wurden“, warf Clara Herrmann Henkel und Kandt vor.

Greger als Fluchthelfer für den NSU?

Die Polizei verweist darauf, dass nicht einmal der Generalbundesanwalt in dieser Sache eine Relevanz sehe. „NSU-Bezug ist nicht etwas, das Sie, Frau Herrmann, definieren sondern der Bundestags-Untersuchungsausschuss“, sagte denn auch Robin Juhnke (CDU) in Richtung der Opposition: „Jemand, der jemanden über zwei Ecken kannte, hat nicht automatisch NSU-Bezug.“

Noch eine weitere Frage treibt Grüne und Linke um: Welche Verbindungen hatte Greger, der Jahre in Südafrika lebte, zu dortigen rechten Organisationen? Suchte er nach Unterkünften für das NSU-Trio? Man habe sich in dieser Frage an andere Dienststellen gewandt, sagt Kandt. „Eine Beantwortung steht noch aus.“

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