Berlin - Kritiker stempeln ihn gerne als Erfindung der Blumenindustrie ab, Liebende schenken sich dagegen besondere Aufmerksamkeit: Der Valentinstag steht kurz bevor. Wie gestaltet er sich für Berliner Paare in diesem Corona-Jahr? Entfallen Geschenke und Gesten, weil der stationäre Handel sowie das Lieblingsrestaurant geschlossen haben? Ist die Schenkbereitschaft deswegen getrübt? Oder greifen die Konsumenten auf Lieferungen und andere Lösungen zurück?

Für den Finanztechnologie-Anbieter SumUp schlagen zum diesjährigen Valentinstag gleich zwei Herzen besonders hoch: das digitale und das lokale. „Der liebgewonnene Valentinstag fällt in diesem Jahr sowohl für Verliebte als auch für Klein- und Kleinsthändler anders aus als sonst“, sagt Mareike Kaempf, Growth Lead Germany bei SumUp. Viele Anbieter ließen sich kreative Lösungen einfallen. „Wir beobachten einen starken Trend in Richtung digital und lokal.“ Geschenke seien immer einfacher vor- und bestellbar und viele Angebote darauf angepasst, auch zu Hause genutzt zu werden.

„Click and collect“, also online einkaufen und im lokalen Einzelhandel abholen, lautet das diesjährige Motto. 42 Prozent der Konsumenten wollen bei ihrem Valentinstagsgeschenk diesen Weg gehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Konsumenten-Studie „Shopping-Verhalten zum Valentinstag während der Corona-Pandemie“ von Simon-Kucher & Partners. Das beliebteste Valentinstagsgeschenk in diesem Jahr ist laut dieser Umfrage „selbstgekochtes Essen zu Hause“. 27 Prozent wollen für ihre Liebsten kochen.

Für wen das keine Option ist, der kann sich ein fertig zubereitetes Valentinstagsmenü aus Berliner Restaurants wie dem Irma la Douce, Eins44 oder Bob & Thoms über den Onlineshop The Good Taste bestellen. Weil Restaurantbesuche aufgrund des anhaltenden Lockdowns nicht möglich sind, sieht Tobias Maria Günter von Simon-Kucher gewinnbringende Möglichkeiten für Gastronomiebetreiber und Lieferdienste: „Am Valentinstag bieten sich große Chancen, guten Absatz zu machen“, sagt er. „Denn mehr als doppelt so viele Verbraucher wie im Vorjahr wollen sich in diesem Jahr Essen nach Hause liefern lassen.“

Darauf hofft auch Hans-Ole Freudenberg, Gründer des Culinary Clubs im Private Roof Club in Friedrichshain: „Wenn aufgrund des Lockdowns unsere Gäste nicht mehr zum Brunch kommen können, kommt unser Brunch eben zu ihnen.“ In seinen Frühstücksboxen stecken neben Brötchen mit Dips und Aufstrichen auch Schokoladen-Trüffel und Miso-Karamell-Bonbons.

Katharina Küpper hält über das Digitale und Lokale hinaus einen weiteren Punkt für wichtig: Flexibilität. Zusammen mit ihrem Mann liefert sie Frühstückskisten, die mit Zutaten aus der bayerischen bis zur hessischen Küche bestückt sind, in Berlin aus. Für die Valentinstagskiste von Heimat Foods seien auch spezielle Wünsche möglich: „Wir lieben Sonderwünsche“, verspricht Küpper. Wer zum Frühstück 25 Rosen begehre oder einen Kuchen in Herzform, solle das bekommen.

Eine Aktion auf die Bedürfnisse seiner Kunden abgestimmt hat auch Jules Winnfield. „Den Menschen fehlt es an Erlebnissen“, sagt der Inhaber des Bonvivant Cocktailbistros in Schöneberg. Gemeinsam mit Barchef Paul Rost hat er eine Valentinstags-Cocktailbox zum Versenden gebaut, die gleichzeitig zum Spielen animiert: „Es gibt Spielkarten mit persönlichen Fragen und kleinen Ereigniskarten. Während man gemütlich trinkt, muss man bei einer Karte beispielsweise die Location innerhalb der Wohnung wechseln“, erklärt Winnfield.

Und wie steht es um die Blumen, den klassischen Liebesgruß zum Valentinstag? Laut der obigen Studie werden sie in der Pandemie unvermindert stark nachgefragt. Weil viele Händler aber geschlossen haben, ändert sich der Beschaffungsweg. 25 Prozent der Befragten planen, Rosen und Co. über den Lebensmittelhandel zu erwerben, rund 30 Prozent wollen sich Blumen schicken lassen.

Für Manuela König ist das kein Grund, ihren Service in den kommenden Tagen nicht anzubieten. „Grundsätzlich sind die Leute verrückt nach Blumen“, sagt die Inhaberin der Blumenkönigin in Pankow. Um rechtzeitig einen Strauß zu bekommen, sollte man bis spätestens Sonnabend vorbestellen. „Im Notfall stehe ich aber auch am Sonntag für meine Kunden hier und biete noch Blumen an“, sagt König.