Berlin - Für die einen gelten sie als hervorragende Verkehrsmittel, für die anderen sind sie einfach nur störend: Die unzähligen E-Scooter und Leihfährrader, die in Berlin mittlerweile fest zum Stadtbild gehören. Eine autonome Gruppe hat den Fahrrädern und Rollern den Kampf erklärt, gezielt machen linksautonome Anarchisten Jagd auf die Drahtesel - vorwiegend von der amerikanischen Firma Uber. Auch E-Roller und andere Leihräder werden immer öfter Opfer von zerstörungswütigen Menschen, die die Nase offensichtlich voll haben von Uber und Co.

Hunderte Reifen von Leihrädern zerstochen

In Brüssel ging die Randale sogar so weit, dass die Anbieter der Leihfahrräder einzelne Stadtviertel nicht mehr bedienten. Auch in Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Schöneberg Wilmersdorf und Tiergarten wurden allein in den letzten zwei Wochen hunderte Reifen von Leihrädern zerstochen. „Ein Taschenmesser oder spitzer Schraubenzieher passen immer in die Hosentasche“, heißt in dem Aufruf der Autonomen. Ein Grund für den Hass sind die Nutzer der Bikes und Roller. Diese seien „Touristen sowie besserverdienende Berliner/innen“. Und weiter: „Also jene, die sich den happigen Preis von etwa zehn Euro pro Stunde leisten können“.

Neben den Kunden ist den Autonomen vor allem die Firma Uber ein Dorn im Auge. Denn das Unternehmen, das neben den roten Rädern in Kooperation mit Lime auch dick im neuen E-Roller-Geschäft mitmischt, verkörpert in den Augen der Autonomen „ausbeuterischen Kapitalismus in Reinform“.

Zudem, heißt es in einer Stellungnahme der Gruppe „Uber plätten“, seien E-Scooter aufgrund der enthaltenen Batterien „Klimaschweine“.

In diesem Punkt haben die Autonomen tatsächlich recht: Laut einer neuen Studie der North Carolina State Universität erzeugen mietbare E-Scooter mehr Treibhausgasemissionen pro zurückgelegter US-Meile als ein durchschnittlicher Dieselbus mit hohem Auslastungsgrad.

Der Strom, der zum Laden der Fahrzeuge verwendet wird, sei dabei laut dieser Studie noch das geringste Problem. Der Löwenanteil der CO2-Emissionen stammt demnach aus Herstellungsprozessen der Scooter und den darin enthaltenen Batterien. In den USA ist die Lebensdauer eines durchschnittlichen E-Rollers mit rund zwei Monaten aufgrund von Unfällen oder Vandalismus zudem extrem kurz.

Die Polizei verzeichnet zunehmende Fälle von Vandalismus auf Leihfahrräder

Wie lange die Roller oder ihre großen Geschwister, die Leihräder, in Berlin zum Einsatz kommen, bevor sie aufgrund von Abnutzung oder mutwilliger Zerstörung auf dem Schrott landen, ist noch nicht seriös belegt. Allerdings verzeichnet die Polizei in der Hauptstadt zunehmend Attacken auf die hippen Fortbewegungsmittel. So wurden bereits mehrfach Roller in der Spree versenkt oder die QR-Codes, mit denen die Fahrzeuge in Betrieb genommen werden können, mutwillig zerkratzt. Und in Lichtenberg und Friedrichshain wurden mehrere Gefährte angezündet.

Bei vielen Berlinern fallen E-Roller und Leihfahrräder zunehmend in Ungnade. So demonstrierten genervte Fußgänger kürzlich am Alex gegen rücksichtslose Radler und Roller-Fahrer. Und der streitbare Entertainer Jan Böhmermann lästerte bereits im Juli: „Ich werde jedes Mal, wenn ich diese (...) komischen neuen E-Roller überall in Berlin oder in anderen Städten rumstehen sehe, wenn ich diese Leute darauf rumfahren sehe, dann werde ich aggressiv hoch zehn“. Und schob hinterher: „Diese Dinger sind mit einem Schwung in der Spree, das ist super easy“.

E-Scooter Anbieter Lime will in weitere Stadtviertel expandieren

Doch trotz Protesten und zerstörerischen Attacken sind die neuen Fortbewegungsmittel weiter auf dem Vormarsch. Die Firma Lime, die die E-Roller anbietet, teilte mit, man habe „innerhalb von nur 11 Wochen eine Million Einzelfahrten im Stadtgebiet Berlin“ verzeichnet, alle 15 Sekunden werde in der Hauptstadt ein Roller freigeschaltet. Daher werde man expandieren und die Roller auch in Wedding, Pankow und Lichtenberg aufstellen.