Wenn es in Gesprächen um Ausgehen in Berlin geht, landet man schnell bei den „Früher war alles besser“-Tiraden. Früher, als das Berghain noch Ostgut hieß und noch nicht von spanischen Touristen belagert wurde. Früher, als man noch von attraktiven Mittänzern auf einen Drink an der Bar eingeladen wurde.

Und heute? Fläzen ebendiese sich in Sesseln in dunklen Clubecken und starren auf ihre Smartphones. Zum Tanzen sind sie offenbar gar nicht hier, zum Flirten auch nicht. Zumindest nicht, wenn man unter Flirten so etwas wie Blickkontakt versteht. Ich habe das am Wochenende im Ritter Butzke beobachtet.

Ebenfalls in einen Sessel gekuschelt (aber nur, weil ich müde vom Tanzen war!), sah ich meinen Sitznachbarn dabei zu, wie sie ihren Standort mit Dating-Apps wie Tinder und Grindr auf Bettgefährten in der Nähe überprüften. Um selbst nachzusehen, müsste man ja auch auf die Tanzfläche gehen. Wie anstrengend!

Nun ist es aber längst nicht so, dass man in Zeiten der Digitalisierung nicht ins Gespräch kommen kann. Im Gegenteil. Auf meine Frage nach einer Zigarette (Eisbrecher!) entsponn sich folgender Dialog: „Ist dir heiß?“ – „Nein, wieso?“ – „Ich hab’ Deo dabei.“ – „Rieche ich unangenehm?“ – „Nein, gar nicht. Aber ich teile gerne. Einfach so, aus Liebe halt.“ Überrumpelt von so viel Nächstenliebe, sagte ich Ja. Was ein Fehler war. Denn im nächsten Augenblick fand ich mich liebevoll eingesprüht in einer schweren, Brechreiz provozierenden Duftwolke der Sorte „Vanilla Kisses“ wieder.

Es fühlte sich an, wie vom Kunstnebel aus der Club-Maschine verschluckt und Anfang der Neunziger wieder ausgespuckt zu werden. Damals sickerte das süße Aroma des Impulse-Deos aus sämtlichen westdeutschen Umkleidekabinen, in denen früh Pubertierende damit den zarten ersten Schweißgeruch zu übertünchen versuchten. Vielleicht war früher vieles besser beim Ausgehen, ja. Aber den Vanille-Duft habe ich noch nie vermisst.