Vater und Sohn sollen Drogen angebaut und verkauft haben. 
Foto: Olaf Wagner

Berlin - Als die Ermittler am 6. November 2018 in die Wohnung von Christian V. in Britz kamen, waren sie überrascht. Der Sprössling von Christian V. hatte einen Joint in der Hand und auf dem Wäscheständer im Wohnzimmer lagen 113 Cannabisblütenstengel zum Trocknen. An der Wand stand griffbereit eine Axt. Die habe der Papa dort deponiert - für ungebetene Gäste, soll der damals 18-jährige Sohn Lukas S. den Polizisten gesagt haben.

Im Wohnzimmerschrank entdeckten die Fahnder zudem 1840 Euro und einen Zimmermannshammer. Zudem wurden verschiedene Tütchen mit Drogen sichergestellt. Die Polizisten wurden von Lukas S. aufgeklärt, woher das Cannabis stammte. Sein Vater hatte es auf dem nahen Friedhof Britz angebaut.

Auf dem Friedhof am Koppelweg fanden die Ermittler auf einem nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Areal tatsächlich mehrere eingetopfte Cannabispflanzen. Christian V. war einst als Hilfsarbeiter auf dem Friedhof beschäftigt.

Am Montag stehen der 50-jährige Christian V. und sein 19-jähriger Sohn Lukas S. wegen bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Landgericht. Beide sind nicht vorbestraft. Die Mutter von Lukas S. sitzt im Publikum - sie weint. Ihr Sohn wohnt noch bei ihr.

Die beiden Männer auf der Anklagebank sind im Prozess geständig. Das in der Wohnung und auf dem Friedhof gefundene Cannabis habe ihm gehört, gibt der Vater zu.  Er habe selbst Cannabis konsumiert und sei auf die Idee gekommen, die Droge auch zu verkaufen - in Portionen zu zehn und 20 Euro.

Allerdings leugnet Christian V., die Axt für "ungebetene Gäste" bereitgestellt zu haben.  Er habe damit lediglich bei der Renovierung seiner Wohnung Küchenmöbel zerkleinert. Das Bargeld sei für ein Bike bestimmt gewesen.

Christian V. war damals bei der Durchsuchung seiner Wohnung nicht anwesend. Er war tags zuvor mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der gelernte Stahlbetonbauer hatte seinen Sohn, der ihn oft besuchte, gebeten, das Cannabis für zehn oder 20 Euro an Leute herauszugeben, die vorbeikommen würden.

Als der Sohn gefragt habe, wozu die Axt in der Wohnung stehe, habe Christian V. nach eigenen Worten gesagt, die Axt könne er benutzen, wenn "ihm einer doof" komme. Er habe nie gedacht, dass sein Sohn das ernst nehmen könnte, erklärt er nun vor Gericht. Christian V. gibt an, mittlerweile mit dem Kiffen aufgehört zu haben. Er wünsche sich, seinen Sohn nie mit in die Sache hineingezogen zu haben.

Florierender Drogenhandel am Bahnhof Grenzallee

Der Drogenhandel in der Wohnung des Vaters flog auf, weil Fahnder schon länger am U-Bahnhof Grenzallee den florierende Drogenmarkt beobachteten. Dabei fiel ihnen ein Mann auf, Michael V., der Bruder des angeklagten Christian V. Er war im Haus gegenüber verschwunden, in dem sein Bruder lebt. Fünf Minuten später kam er wieder heraus - mit einem Rucksack voller Blütenstände von Cannabispflanzen. 

Michael V. wurde von der Polizei kontrolliert, anschließend die Wohnung des Bruders durchsucht. Noch während sich die Beamten dort aufhielten, klingelten offenbar zwei Kunden an der Tür. "Einer kam schon mit 20 Euro in der Hand freudig in die Wohnung", erinnert sich ein Polizeibeamter vor Gericht.

Christian V. wird in dem Prozess wegen bewaffneten Handels mit Drogen im minder schweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Es habe sich um eine "nicht geringe Menge" Cannabis gehandelt, so der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe das Cannabis, eine weiche Droge, jedoch nur einmal geerntet. Verwerflich sei allerdings, dass er seinen Sohn mit in die Straftat hineingezogen habe.

Sohn Lukas S. kommt nach Jugendstrafrecht wegen Beihilfe noch "mit einem blauen Auge" davon, wie es der Richter sagt. Der junge Mann wird verwarnt und muss sich einem Kompetenztraining unterziehen. "Wir glauben, dass sie die Durchsuchung der Wohnung und der Prozess hier ausreichend beeindruckt haben", so der Richter.