Corona? Am Vatertag kein Thema. „Wir machen alles so wie immer“, sagt diese Männergruppe am Brandenburger Tor. 
Foto: Volkmar Otto 

BerlinVatertag in Corona-Zeiten sieht in Berlin wenig anders aus als sonst: Die Innenstadt leert sich, Männergruppen zieht es vor allem raus ins Grüne und ans Wasser. Mit wenig Abstand, aber oft viel Bier im Gepäck. In Treptow-Köpenick, einem der grünsten Bezirke Berlins, war der Bahnhof Grünau schon am Donnerstagmorgen beliebtes Reiseziel für Bier-Touristen. Von dort aus ging es für sie weiter mit dem Rad oder zu Fuß in den Grünauer Forst oder an die Dahme und den Müggelsee. Die jungen Kanuten vom Sportclub Berlin-Grünau starteten mit dem Training extra morgens um 8 Uhr – spätestens ab dem Mittag war für die Sportler aufgrund der hohen Dichte an Partyflößen und Schlauchbooten nicht mehr daran zu denken.

Die Polizei kontrollierte verstärkt in Parks und Grünanlagen, sagte Polizeisprecherin Heidi Vogt der Berliner Zeitung am späten Nachmittag, gerade lägen der Volkspark Friedrichshain und der Britzer Garten im Fokus. Um ein endgültiges Fazit zu ziehen sei es noch zu früh – viele seien erst gestartet, der Alkoholpegel steige im Laufe des Abends weiter an. „Bisher ist die Lage sehr ruhig, aber wir behalten im Auge, ob es zu Vorkommnissen wie Schlägerein kommt.“

Polizei ruft über Lautsprecher dazu auf, Abstände einzuhalten

Man beobachte die Lage, sei „in der Spitze“ mit 350 Leuten unterwegs. Im Treptower Park hätte sich die Menge vor allem an den Eingängen geballt. Die Polizei habe dort über Lautsprecher dazu aufgerufen, die Abstände einzuhalten, wie von der Corona-Verordnung vorgeschrieben. „Wir achten darauf, dass die Eindämmungsverordnung eingehalten wird“, sagt Vogt.

Die Eindämmungsverordnung schreibt vor, dass weiterhin Abstand gehalten werden muss, sich privat wie im öffentlichen Raum aber wieder zwei Haushalte miteinander treffen dürfen. Der Senat hat keine Personenobergrenze für solche Treffen benannt. Vogt betont: „Die Abstände müssen auch eingehalten werden, wenn Sie mit zwei Haushalten zusammensitzen.“ Das sei schwierig zu kontrollieren, gibt Vogt zu. Die Polizei achte zuallererst darauf, ob „viele Leute dicht zusammensitzen“. Gruppen würden angesprochen, auch Kneipen und Biergärten kontrolliert.

Einen Überblick über erfasste Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftaten könne die Polizei noch nicht liefern. Es könnte laut Vogt sein, dass die Polizei die stadtweiten Daten bald gar nicht mehr erfasst und publiziert. Die Art der Erhebung habe sich geändert. „Das machen Dienststellen jetzt verstärkt für sich.“

Die Polizei mag besonderen Wert auf die Zwei-Haushalte- und Abstands-Regel legen. Die Menschen in den Parks, auf den Straßen und auch in vielen Cafés und Restaurants taten das am Donnerstag nicht. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wendete sich bereits am Mittwoch gemeinsam mit Christian Andresen, dem Präsidenten des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Berlin) in einem Brief an die Gastronomen der Hauptstadt, in dem sie mahnte: „Für die Beibehahltung der Lockerungen und mehr noch für ihren Ausbau ist es enorm wichtig, dass Sie Ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden und die Hygiene- und Abstandsregeln in Ihren Betrieben konsequent umsetzen.“

Auch im Mauerpark und am Brandenburger Tor waren viele, meist aber kleinere Gruppen unterwegs ohne Abstand zu halten oder Maske zu tragen. Große Gruppen aber waren am Nachmittag selten. Die meisten hielten es dabei wie die vier Freunde um den 41-jährigen Daniel. Die vier Männer sind mit dem Rad aus Pankow hergefahren, trinken am Brandenburger Tor nun ein Zwischen-Bier. Wie sie es mit der Regel halten, dass zwei Haushalte sich treffen dürfen? „Wir leben zusammen“, sagen sie und lachen.

Die vier unterschätzen das Virus nicht, manche von ihnen spüren täglich seine Folgen: Martin, 37, ist selbstständig und prüft für Unternehmen elektronische Anlagen. Seine Mitarbeiter sind nun auf Kurzarbeit, 100 Prozent, er hat keine Aufträge mehr. Anfang des Jahres waren sie auch im Skigebiet, da war der Mega-Ausbruch in Ischgl noch nicht bekannt. Einer von den Reiserückkehrern musste danach in Quarantäne, sein Chef bestand darauf. Die anderen nicht. Diese Willkür sei „eigentlich Schwachsinn“, findet Daniel. „Wir sollen Abstand halten – aber in ein paar Wochen kann man wieder überall hinfliegen.“

Die vier wollen es nicht übertreiben, sich nicht zu dicht auf die Pelle rücken. Ihre Gruppe sei ja klein. Später wollen sie vielleicht noch in eine Bar im Bikini-Haus. Trinken, einen schönen Tag haben. Sich später von der Frau abholen lassen und das Fahrrad in den Kofferraum werfen. Ob sie Sorgen davor haben, dass die Polizei sie kontrollieren könnte? Sie lachen. Da gebe es heute sicher andere Zielgruppen, sagen sie. „Was machen wir schon?“